RAF
Notwendige Aufklärung

Sympathisanten der ehemaligen RAF reiben sich schon die Hände. Die Verklärung der Selbstmörder von Stammheim als Mordopfer des „Schweinesystems“ kann weitergehen. Die Zweifel hat diesmal der frühere Terrorist Peter-Jürgen Boock im Fall des Mordes an Siegfried Buback gesät. Traf es die „falschen Täter“? Müssen die Urteile neu aufgerollt werden? Hielten die Sicherheitsbehörden gar wissentlich Erkenntnisse zurück? Ist dadurch eine politische Neubewertung des Deutschen Herbstes notwendig? Viele Fragen, wenige Antworten. Doch eines ist klar: Sollten die Behörden wichtige Aussagen für das juristische Verfahren zurückgehalten haben, muss eine rückhaltlose Aufklärung erfolgen.

Doch was kann man einem ehemaligen RAF-Angehörigen wirklich glauben? Was stimmt, und was ist gezielte Desinformation, um den Mythos von den Opfern des Staates am Leben zu erhalten? Bevor die üblichen Verdächtigen die Arbeit des Bundeskriminalamts und des Verfassungsschutzes kritisieren, muss zweifelsfrei erwiesen sein, ob die Informationen überhaupt zutreffen. Dann erst stellt sich die Frage, warum die Sicherheitsbehörden Informationen dieser Tragweite zurückgehalten haben. Und nicht umgekehrt. Die Aussagen der Ex-Terroristen entlasten den 1980 wegen des Mordes verurteilten früheren RAF-Angehörigen Knut Folkerts. Danach wäre auch der noch einsitzende frühere Terrorist Christian Klar nicht der Mörder gewesen. Klar selbst schweigt beharrlich. RAF-Mitglied Stefan Wisniewski soll die tödlichen Schüsse abgefeuert haben. Was wären die Folgen? Folkerts wird entlastet, Wisniewski belastet. Das Urteil gegen Christian Klar ist aber nicht anzuzweifeln. Dieser ist im Fall Buback ohnehin „nur“ wegen Mittäterschaft verurteilt worden.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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