RAG
Kein Königsweg

RAG-Chef Werner Müller erweckt den Eindruck, als gebe es zum Börsengang der früheren Ruhrkohle keine Alternative.

Dabei unterschlägt er, dass bei einem Verkauf einzelner Konzernunternehmen wahrscheinlich ein höherer Erlös zu erzielen wäre. Investmentbanker beziffern dieses Plus mit maximal einer Milliarde Euro.

Das ist zur Finanzierung eines sozialverträglichen Ausstiegs aus dem hoch subventionierten Bergbau viel Geld. Müsste also die Politik nur den Druck erhöhen, um so eine Zerschlagung der RAG zu erzwingen? Schließlich sitzen die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW und die schwarz-rote Koalition in Berlin am längeren Hebel: Ohne ihr Ja kann Müller seine Börsenpläne begraben.

Andererseits haben Bund und Land keine aktiven Gestaltungsmöglichkeiten. Darüber, wie das Vermögen der RAG – das sind der Chemiekonzern Degussa, der Stromerzeuger Steag und 70000 Wohnungen – verwertet wird, entscheiden allein Vorstand und der montanmitbestimmte Aufsichtsrat. Müller und die mächtige Gewerkschaft IG BCE lehnen jedoch eine Zerschlagung vehement ab.

Es kommt hinzu: Für die Degussa und die RAG-Immobilien kommen als Interessenten derzeit nur Finanzinvestoren in Frage. Doch dem Vorwurf, Geschäfte mit Heuschrecken zu machen, will sich kein Politiker aussetzen. Nur die Steag wäre vor allem für ausländische Konzerne attraktiv, die auf den deutschen Markt drängen.

Ein Einzelverkauf brächte somit zwar kurzfristig mehr Geld in die Kasse als ein Börsengang. Aber langfristig könnte auch Müllers Rechnung aufgehen. Gut gemanagte Mischkonzerne wie United Technologies, MAN oder Thyssen-Krupp beweisen, dass sie Werte für ihre Aktionäre schaffen. Nun muss Müller beweisen, dass er es genauso gut kann.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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