RAG
Späte Einsicht

Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit. Deshalb scheint IGBCE-Chef Hubertus Schmoldt seinen Widerstand gegen ein vorzeitiges Ende der Steinkohleförderung in Deutschland aufzugeben und stattdessen auf einen Börsengang der RAG zu setzen.

Zweifellos steht Schmoldt damit vor einer schwierigen Entscheidung. Er kann seine bisherige Position, die Zustimmung für einen Börsengang der RAG an verbindliche Zusagen der Politik für den Erhalt eines Referenzbergbaus zu knüpfen, nicht länger aufrecht erhalten. Angesichts leerer öffentlicher Kassen ist es absolut notwendig, die jährlichen Milliarden-Subventionen für den Bergbau zu stoppen. Zwar sinken in keinem Wirtschaftsbereich die Beihilfen durch die öffentliche Hand so schnell wie hier. Doch die Steinkohleförderung in Deutschland hat keinerlei Perspektive. Gegen die um fast zwei Drittel niedrigeren Förderkosten in Ländern wie Russland, Polen und Australien können die Kumpel hierzulande nicht konkurrieren. Und dass steigende Weltmarktpreise in Zukunft zu einer Verknappung des Angebots führen, entspricht jeder wirtschaftlichen Logik.

Zu Recht pocht Schmoldt darauf, dass es bei einem Ende der Steinkohleförderung keine betriebsbedingten Kündigungen geben darf. Hier steht die Politik im Bund und in den Kohleländern NRW und Saarland im Wort. Das ist aber auch das Maximum, was er für seine Klientel herausholen kann. Denn die Vorentscheidung für den Ausstieg ist gefallen. Also setzt er ganz auf die RAG. Da deren Zerschlagung mittlerweile vom Tisch ist, redet Aufsichtratsvize Schmoldt künftig beim größten Industriekonzern in NRW und einen Aspiranten für den Aufstieg in den deutschen Aktienindex ein wichtiges Wort mit.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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