RAG
Spiel mit dem Feuer

Die Kritik der schwarz-gelben Landesregierung in NRW an der aktuellen Satzung für die RAG-Stiftung ist berechtigt. Sollte das Land nicht noch wichtige Änderungen durchsetzen, könnte der designierte Stiftungschef Werner Müller künftig schalten und walten wie einst Friedel Neuber. Der 2004 gestorbene frühere Vorstandsvorsitzende der Westdeutschen Landesbank betrieb bis weit in die 90er-Jahre hinein Industriepolitik im Land. Beteiligungen an Konzernen wie RWE, Krupp und Preussag sicherten dem SPD-Mitglied Neuber damals großen Einfluss. Und wenn in seinem Firmenimperium einmal etwas schief ging wie bei der Pleite des Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauers Babcock musste auch der Steuerzahler dafür gerade stehen.

Wie Neuber ist auch der frühere parteilose Bundeswirtschaftsminister Werner Müller exzellent verdrahtet. Seinen früheren Chef, Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD), holte Müller als Berater. Selbst politische Gegner wie Friedrich Merz, der einstige Wirtschaftsexperten der CDU-Bundestagsfraktion, sind dem RAG-Chef zu Diensten. Von Merz, jetzt Partner bei der Anwaltskanzlei Mayer Brown, ließ sich Müller die RAG-Satzung schreiben. Das nervt besonders Jürgen Rüttgers (CDU). Aber trotz seiner Antipathie gegen Müller sollte der NRW-Ministerpräsident das große Ziel nicht aus den Augen verlieren: Es ist nicht zuletzt Müllers Verdienst, dass nach jahrzentelangem Streit ein tragfähiger Kompromiss über den Ausstieg aus dem Milliardengrab Steinkohle gefunden wurde. Und es war Müller, der für die profitablen Industrieaktivitäten der RAG eine Zukunftsperspektive aufgezeigt hat. Ob Rüttgers will oder nicht: An Müller als Stiftungschef führt kein Weg vorbei. Alles andere wäre ein Spiel mit dem Feuer.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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