Ratings
Monokultur

Häufig, wenn Missstände beklagt werden, hat das einen einfachen Grund: Der Markt funktioniert nicht richtig. Das ist bei der ewig unpünktlichen Eisenbahn so, bei überzogenen Managergehältern – und bei den Ratingagenturen.

HB DÜSSELDORF. Zwei mächtige Gesellschaften dominieren den Markt: Standard & Poor’s (S & P) und Moody’s. Fitch rangiert mit deutlichem Abstand dahinter. Zusätzlich gibt es noch Spezialanbieter – etwa AM Best als Agentur für Versicherer, sie wird allerdings hauptsächlich in den USA beachtet.

In manchen Bereichen besteht fast ein Meinungsmonopol. Versicherer in Europa hängen auf Gedeih und Verderb von S & P ab – nicht nur die Investoren, auch die Großkunden schauen auf die Noten. Bekannt wurde der Fall Gerling, wo sich jetzt aber die Wogen geglättet haben. Die deutsche Assekurata gilt zwar ebenfalls als kompetent, aber das Urteil von S & P gibt im Zweifel den Ausschlag. Eine sehr starke Stellung hat diese Agentur auch bei den deutschen Landesbanken, die ab 2005, nach dem Wegfall der staatlichen Haftung, aus eigener Kraft am Kapitalmarkt bestehen müssen.

Woher rührt dieser Einfluss? Warum vertrauen ganze Märkte beinahe blind dem Urteil einiger weniger Experten? Ratinganalysten haben insgesamt einen etwas besseren Ruf als Aktienanalysten. Sie gelten als gründlich und methodisch überwiegend kompetent. Ihre Urteile sind in der Regel keine einsamen Schnellschüsse, sondern werden in einem langen Dialog mit den Kunden von einem mehrköpfigen Gremium erarbeitet. Außerdem haben die Agenturen weniger Interessenkonflikte als Banken, die mit den Papieren, die sie bewerten, auch selbst handeln.

Trotzdem sind die Rating-Experten nicht über jeden Zweifel erhaben. Zu theoretisch, zu praxisfern: Diesen Vorwurf hört man häufig, freilich nur leise, schließlich will es sich niemand mit ihnen verderben. Der Einfluss der Agenturen rührt also nicht daher, dass ihre Experten unfehlbar wären. Woher dann?

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