Ratiopharm
Ein Lehrbeispiel

Die Staatsanwaltschaft Ulm hat bei einer bundesweiten Großrazzia knapp 400 Wohnungen früherer und aktiver Außendienstmitarbeiter des Ulmer Pharmaunternehmens Ratiopharm durchsuchen lassen.

Damit gehen die Ermittlungen wegen der im Sommer 2005 vom Magazin „Stern“ enthüllten Praxis eines führenden deutschen Arzneimittelherstellers, Medizinern für die Verschreibung ihrer Produkte Umsatzprovisionen zu gewähren, in eine neue Runde. Was sich am Ende von den Vorwürfen erhärten lässt, steht dahin. Doch hat die Eigentümerfamilie Merckle längst Konsequenzen gezogen und sich von führenden Mitarbeitern, die in die Affäre verstrickt waren, getrennt. Gleichwohl droht dem Unternehmen weiterer Imageschaden.

Nicht ganz zu Recht. Denn Ratiopharm ist nur ein besonders drastisches Beispiel für die jahrzehntelang geübte Praxis vieler Arzneimittelhersteller, den Absatz durch allerlei Begünstigungen zu promoten. Die Palette reicht von Geschenken an Ärzte für Anwendungsstudien für neue Medikamente bis zu Sonderrabatten für Apotheken. Dies war nur möglich, weil es einen echten Preiswettbewerb für Medikamente bei uns bislang nicht gab.

Die Rabatte hat die rot-grüne Regierung bereits mit der letzten Gesundheitsreform verboten. 2004 gab sie erstmals die Preise für nicht rezeptpflichtige Medikamente frei. Nun will die große Koalition die gesamte Preisspannenverordnung auf Höchstpreise umstellen, um auch im rezeptpflichtigen Markt Wettbewerb zu ermöglichen. Eine Mehrheit der Länder hat dagegen allerdings gerade im Bundesrat Einspruch erhoben. Sie sollten aber noch einmal nachdenken. Denn solange sich die Apotheken nicht wie jeder Lebensmittelhändler mit ihren Preisen am Markt behaupten müssen, werden sie für Werbegeschenke anfällig bleiben.

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