Reaktion auf Bundestagswahl
Wirtschaft will Merkel, das Wie ist egal

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft sehen nach dem verzwickten Ergebnis der Bundestagswahl im Grunde nur zwei Optionen: Eine große Koalition oder eine "schwarze Ampel". Ein Verbleib von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Amt erscheint den Unternehmern als die schlechteste Version.

HB BERLIN. Am deutlichsten sprach sich der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) für ein mittlerweile auch als "Schwampel" oder "Jamaika"-Koalition bekanntes Bündnis von Union, FDP und Grünen aus. "Die nächste Regierung wird, in welcher Konstellation auch immer, weitere Reformen angehen. Allerdings würde eine schwarz-gelb-grüne Koalition wesentlich schneller und zielorientierter die Modernisierung durchsetzen können als eine viel behäbiger funktionierende große Koalition", sagte BGA-Präsident Anton Börner.

DIHK: Mehr Reibung in einer Dreierkonstellation

So weit mochte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zunächst nicht gehen. Präsident Ludwig Georg Braun erklärte, er gehe davon aus, dass die neue Regierung von der Union geführt werde. Damit könne auch die Blockade durch den Bundesrat aufgehoben werden. Klar sei, dass es bei einer Dreier-Konstellation "mehr Friktionsproblematik" gebe als in einer großen Koalition. Eine Ampelkoalition von SPD, FDP und Grünen wäre jedoch unglaubwürdig.

Industrie sieht vor allem Differenzen zwischen FDP und Grünen

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sprach sich dagegen klar für ein Bündnis von SPD und Union aus. Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg meinte, für eine große Koalition spreche manches, was auf der Reformagenda stehe und auch politisch und machtstrategisch gelöst werden müsse. Zu einer schwarzen Ampel aus Union, FDP und Grünen sagte Wartenberg: "Vor der Gründung stellt sich die Frage, ob sich mit den Liberalen und den Grünen gemeinsam ein wirtschaftspolitisches Programm erstellen ließe. Ich kann mir das nur schwer vorstellen."

Maschinenbauer präferieren große Koalition

Auch der Maschinenbauerverband VDMA hält eine große Koalition für den vernünftigsten Weg zur raschen Bildung einer stabilen Regierung. Präsident Dieter Brucklacher sagte, sein Verband erwarte vor allem, dass die Blockadesituation zwischen Bundestag und Bundesrat aufgelöst werde. Zwar werde die Fortsetzung der Arbeitsmarktreformen unwahrscheinlicher, einiges, wie zum Beispiel die dringend notwendige Föderalismusreform, wäre mit einer großen Koalition aber sogar besser möglich. Auch auf eine Politik für mehr Innovationen und Investitionen sollte sich Schwarz-Rot ohne weiteres verständigen können.

Mittelstand lehnt nur Linkspartei ab

Der Bundesverband der mittelständische Wirtschaft verzichtete zunächst darauf, eine bevorzugte Regierungskonstellation zu nennen. Präsidnet Mario Ohoven forderte die "Parteitaktiker auf, notfalls über ihren ideologischen Schatten zu springen. "Mit Ausnahme der wirtschaftsfeindlichen Linkspartei weisen alle Parteien inhaltliche Schnittmengen mit den politischen Positionen des Mittelstands auf", erklärte Ohoven. Was die Unternehmen jetzt am wenigsten brauchten, seien persönliche Eitelkeiten und Rechthaberei der Parteispitzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%