Reaktionen der Börsianer
Börsianer: Hauptsache nicht wie in Italien

Die Aussicht auf eine Große Koalition in Deutschland dürfte den Aktienmarkt nach Einschätzung von Marktstrategen und Fondsmanagern in den kommenden Wochen belasten. Ein dramatischer Einbruch wird aber als eher unwahrscheinlich angesehen.

HB FRANKFURT. Einen Dämpfer beim wichtigsten deutschen Aktienindex DAX erwarten die Kapitalmarktexperten Rolf Elgeti von der niederländischen Großbank ABN Amro und der SEB-Chefanlagestratege Klaus Schrüfer. Sie rechneten jedoch nicht mit dauerhaften Verlusten. "Die Unternehmen werden profitabler und sind niedrig bewertet. Diese fundamentalen Faktoren werden sich wieder durchsetzen", sagte Schrüfer. Allerdings sieht er den Euro unter Druck. Viele Akteure am Devisenmarkt hätten auf eine Regierung aus Union und FDP mit radikaleren Wirtschaftsreformen spekuliert.

Das unklare Wahlergebnis der Bundestagswahl wird nach Einschätzung von Rolf Elgeti nicht zu dramatischen Kurseinbrüchen am Montag führen. "Die große Koalition ist das Szenario, das in der letzten Zeit eingepreist wurde, und das ist ja jetzt auch das wahrscheinlichste", sagte er dem Tagesspiegel (Montagsausgabe). Er schätze, dass der DAX 1 Prozent ins Minus rutsche und damit etwas hinter den anderen europäischen Leitindizes liegen werde. Falls jedoch keine Regierung gebildet werden könne und erneut gewählt werden müsse, sei dies für die Märkte deutlich negativ, nicht nur weil die Union kaum profitieren könne: "Internationale Anleger würden schnell denken, dass das wie in Italien ist."

Dabei interessierten sich Märkte nicht für das Wahlergebnis an sich. "Es geht darum, ob es den deutschen Unternehmen gelingt, die Kosten weiter zu senken und Marktanteile zu gewinnen. Der Refomprozess muss vorangetrieben werden, das ist das was die Märkte sehen wollen", sagte Elgeti. "Eine große Koalition ist eine Verbesserung gegenüber dem Status quo, was die Anleger angeht. Ohne Grün ist viel mehr möglich als mit Grün, zum Beispiel bei den Energiewerten."

Fondsmanagers Thomas Meier von Union Investment hält in den kommenden Tagen "größere Schwankungen" am Aktienmarkt für möglich. "Wir sehen aber keinen Grund für einen deutlichen Trend nach unten." Es wäre aber fatal, wenn sich die Diskussionen über die Bildung einer neuen Regierung lange hinziehen würde. "Eines mag die Börse gar nicht - nämlich Unsicherheit."

Vor dem Urnengang hatten die meisten Börsianer auf einen deutlichen Wahlsieg von Union und FDP gehofft, da sie sich von einer schwarz-gelben Regierungskoalition eine Beschleunigung der Reformpolitik erwarten. Der Dax hatte seit der Ankündigung vorgezogener Neuwahlen durch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Mai daher knapp 15 Prozent zugelegt und damit stärker gewonnen als die meisten europäischen Aktienmärkte.

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