Rechtsanwälte
Na endlich!

Kaum eine Branche ist in den letzten Jahren so umgepflügt worden wie die der Rechtsberater. Der ständisch organisierte Honoratiorenanwalt, der sich zuvörderst der Pflege der Rechtskultur verpflichtet fühlt, wird allmählich zur gefährdeten Spezies. Anwälte schließen sich zu internationalen Rechtsberatungskonzernen zusammen, preisen in U-Bahnhöfen neben Zigarettenherstellern und Tanzschulen ihre Beratungsdienste an – mit einem Wort: Der Anwalt von heute will auf Teufel komm raus Geld verdienen.

Ist das schlimm? Nein. Gut verdient wurde auch hinter den alten Festungsmauern des Standesrechts – nur mit wesentlich geringerem Wettbewerbsdruck. Mancher Nostalgiker, der die Kommerzialisierung der Anwaltschaft beklagt, jammert in Wahrheit nur diesen gemütlichen Zeiten hinterher. Wenn das Bundesverfassungsgericht jetzt mit dem Verbot von Erfolgshonoraren eine der letzten Bastionen dieser Festung schleift, dann ist das eine ausgesprochen gute Nachricht. Denn wie so oft, wenn es um Verbraucherschutz geht: Im Regelfall sind die Mandanten erwachsen genug, um ihren Vorteil zu erkennen. Und wenn nicht, sind spezifische Missbrauchsregelungen völlig ausreichend.

Erfolgshonorar heißt: Meinen Anwalt muss ich nur bezahlen, wenn ich gewinne. Das zu verbieten heißt für viele Rechtssuchende den Zugang zur Justiz verrammeln. Gerade wenn es um viel Geld geht, können enorme Anwaltsgebühren anfallen. Das wirkt prohibitiv: Wer den Ruin befürchten muss, wenn er verliert, der klagt gar nicht erst, selbst wenn er gute Chancen hätte zu siegen. Wenn dieser Zustand auf Geheiß Karlsruhes jetzt ein Ende findet, dann ist das ein Gewinn für die Rechtskultur. Er ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.

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