Reformen: Lob des Bierdeckels

Reformen
Lob des Bierdeckels

Gute Manager zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, komplexe Probleme auf ihren Kern zu reduzieren – und damit überhaupt erst entscheidungsreif zu machen. Schlechte Manager verstricken sich dagegen in immer feineren Details und scheitern anschließend an der Überkomplexität der Tatsachen, die sie selbst auftürmen.

Gute Manager zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, komplexe Probleme auf ihren Kern zu reduzieren – und damit überhaupt erst entscheidungsreif zu machen. Schlechte Manager verstricken sich dagegen in immer feineren Details und scheitern anschließend an der Überkomplexität der Tatsachen, die sie selbst auftürmen.

Diese Beobachtung gilt für die Wirtschaft, viel mehr aber noch für den Berliner Politbetrieb: Die Entscheidungen der Politik haben nur Bestand, wenn Millionen Bürger sie verstehen und mittragen. Doch nach den Regierungsparteien sind nun auch CDU und CSU mit ihren Reformvorschlägen auf dem Eilmarsch in die Komplexitätsfalle.

In der Rentendebatte streiten Fachpolitiker aller Parteien ernsthaft darüber, wie hoch die Mindestrente im Jahr 2030 sein soll. Dabei weiß niemand, welches Rentenniveau wir uns in 25 Jahren noch leisten können.

Oder nehmen wir die Finanzpolitik: Vor einigen Wochen war der Vizevorsitzende der Unionsfraktion, Friedrich Merz, mit seinem Vorschlag eines radikal vereinfachten Steuerrechts auf dem richtigen Pfad. Sein berühmter Bierdeckelvergleich brachte auf einen verständlichen Begriff, um was es geht.

Statt ihn zu loben, rümpften selbst die Fachleute in seiner eigenen Fraktion sofort die Nase. Inzwischen ist der Bierdeckel vom Tisch. Dabei kann Reformpolitik, wenn sie nicht selbstmörderisch betrieben wird wie gegenwärtig in der SPD, nur so funktionieren: sich auf die wesentlichen Entscheidungen konzentrieren, sie auf einen politischen Begriff bringen und damit einen Sinnzusammenhang stiften.

Für die Regierung wie die Opposition gilt gegenwärtig: Hört auf mit immer neuen Detailvorschlägen, die alle Wähler überfordern und ermüden! Es hilft nicht, an allen Stellschrauben gleichzeitig zu drehen. Wer bessere Bedingungen für mehr Wachstum in Deutschland schaffen möchte, sollte sich auf zwei Dinge konzentrieren: Erstens müssen die Arbeitsmärkte schnell flexibler werden, um mehr Menschen in Arbeit zu bringen. Zweitens muss die reale Steuerbelastung weiter sinken, damit Leistung stärker belohnt wird. Beide Ideen passen locker auf einen Bierdeckel. Warum greift Angela Merkel nicht zur Feder?

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