Reformpolitik
Starke Zahlen überdecken marode Basis

Russlands Bilanzen sehen nur auf den ersten Blick gut aus: Das Land ist abhängig von Rohstoffpreisen, das schlechte Geschäftsklima und die Korruption sorgen für eine erhöhte Kapitalflucht. Reformen sind dringend nötig.
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Russlands Wirtschaft ist wie ein Haus mit einer hübschen Fassade. Aber durch das Fundament ziehen sich tiefe Risse. Auf den ersten Blick sieht alles recht ordentlich aus. Vor den wichtigsten makroökonomischen Kennzahlen des vergangenen Jahres steht ein Plus. Die Wirtschaft ist um 4,2 Prozent gewachsen. Die Investitionen legten zu, ebenso wie Außenhandelsumsatz, Konsum und Löhne. Gleichzeitig schrumpfte die Zahl der Arbeitslosen auf knapp sechs Prozent. Die Inflationsrate war mit 6,1 Prozent so niedrig wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. Und nach einem Defizit im Vorjahr lag der Haushaltsüberschuss bei 0,8 Prozent. Die Staatsverschuldung beträgt aktuell elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Basis der Wirtschaft kurz vor der Präsidentenwahl sind die Einnahmen aus Öl- und Gasgeschäften. Aus ihnen strömten im vergangenen Jahr fast 140 Milliarden Euro in den Haushalt. Damit machen die Rohstoffe die Hälfte aller Einnahmen des Staatsetats aus. Doch hier liegt zugleich das Problem. Russland ist nach wie vor zu sehr von seinen Ressourcen abhängig. Die Fassade mag gut aussehen - im Inneren schreitet der Zerfall voran und wird sich in den nächsten Jahren beschleunigen, sofern die Regierung nicht mit den notwendigen Renovierungsarbeiten vorankommt. Im Moment unternimmt sie jedenfalls zu wenig.

Russland

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

in US-Dollar


Vier Prozent Wachstum sehen zunächst gut aus. Für eine hochentwickelte Industrienation wäre das ein hervorragender Wert. Doch Russland hat noch einen großen wirtschaftlichen Aufholbedarf, dazu muss das Land deutlich stärker wachsen. Auch im Vergleich zu den Jahren vor der Finanzkrise sehen vier Prozent nicht sehr gut aus - damals war der Wert zeitweise fast doppelt so hoch. Andere aufstrebende Staaten wie China und Indien wachsen wesentlich schneller als Russland.

Und es sieht nicht danach aus, als könnte der größte Flächenstaat der Erde schnell wieder zu ihnen aufschließen: In diesem Jahr soll Russland nach offiziellen Angaben um 3,7 Prozent wachsen. Unabhängige Experten rechnen mit einem geringeren Wert. Auf mittlere Sicht liegt die Prognose bei 3,5 bis maximal vier Prozent, wenn das Land nur seine bisherige Wirtschaftsstrategie beibehält.

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