REGIERUNGSBILDUNG
Kanzler-Nebel

Schröder hat seinen Rückzug als Kanzler eingeleitet, sich aber zugleich der Unterstützung des Präsidiums versichert. Die Botschaft ist für die Union durchaus ambivalent: Koalitionsgespräche soll es geben, aber Schröder gehört fest zur Verhandlungsmasse.

doe HB DÜSSELDORF. War’s das für Gerhard Schröder? Zu Beginn des gestrigen Gottesdienstes bei den Einheitsfeiern in Potsdam blieb der Stuhl des Kanzlers frei. Welche Symbolik! Hatten zuvor nicht Unionspolitiker gemeint, der 3. Oktober sei ein schönes Datum für den Abgang? So kann man sich täuschen. Wenige Minuten später nahm der SPD-Politiker seinen Platz selbstverständlich ein. Nebel hatte ihn am rechtzeitigen Abflug gehindert.

Ähnlich könnte es den Auguren gehen, die die jüngsten Äußerungen von Schröder und SPD-Chef Müntefering als Kapitulation in der K-Frage werten. Kein Zweifel, der Ton, mit dem die Sozialdemokraten über das Regierungsamt reden, hat sich seit zwei Wochen dramatisch geändert: erst Bedingung, dann „Ziel“ und nun kaum mehr als ein Wunsch, dessen Erfüllung laut Müntefering „ungeklärt“ ist.

Bewegt hat sich die SPD bisher freilich vorwiegend rhetorisch. Dafür gibt es gute taktische Gründe: Mit dem Verweis auf den Willen der Partei arbeitet Schröder dem Vorwurf des „Pattex-Kanzlers“ entgegen. Müntefering schließt mit seiner Kompromissbereitschaft die argumentative Kluft zu den konzilianteren SPD-Länderchefs. Vor allem aber versucht er, mit Konzilianz die Front der Union aufzuweichen, die durch Schröders frühe Attacke geeint worden war.

Schröder hat seinen Rückzug als Kanzler eingeleitet, sich aber zugleich der Unterstützung des Präsidiums versichert. Die Botschaft ist für die Union durchaus ambivalent: Koalitionsgespräche soll es geben, aber Schröder gehört fest zur Verhandlungsmasse. Lehnt CDU-Chefin Merkel ab, steht sie als Verweigerin da. Nimmt sie an, hat die SPD ihren Trumpf in die nächste Runde des Machtpokers gerettet. Müntefering wird sich das Faustpfand Schröder teuer abkaufen lassen.

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