Rekordpreis
Kommentar: Entspannung nicht in Sicht

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Der Rohölpreis hat ein Rekordhoch erklommen. Erstmals kostete das Öl der amerikanischen Richtmarke WTI über 80 Dollar je Barrel (159 Liter). Ganz überraschend kommt der Ausbruch des Preises nach oben nicht. Schließlich gibt es – zumindest aus Sicht der maßgeblich beteiligten Spekulanten – gute Gründe auf einen weiteren Preisanstieg zu setzen.

Für steigende Ölpreise spricht vor allem die gerade erst angelaufene Hurrikan-Saison. Glaubt man den Prognosen, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann ein Wirbelsturm die Ölanlagen im Golf von Mexiko erneut empfindlich treffen wird. Aktuell schürt Tropensturm „Humberto“ die Sorgen um Versorgungengpässe am Ölmarkt. Schließlich sind die Folgen der Stürme „Rita“ und „Katrina“ im Jahr 2005 den Märkten noch gut in Erinnerung – genauso wie die heftigen Preisreaktionen auf die Produktionsausfälle.

Dies ruft also die Spekulation auf den Plan. Genährt wird diese zusätzlich durch die unerwartet niedrigen Lagerbestandsdaten in den USA. Zudem steht die Wintersaison bevor, in der der Ölbedarf naturgemäß hoch ist. Der Spekulation kommt dabei entgegen, dass die hohen Preise es bisher nicht geschafft haben, die Nachfrage maßgeblich zu schwächen.

Auch die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) konnte die Marktkräfte nicht bremsen. Ihr fehlt es zurzeit einfach an der rechten Überzeugungskraft. Die mehrfachen Beteuerungen, es sei genug Öl vorhanden, klingen umso unglaubwürdiger, wenn dann doch die Produktion erhöht wird. An den Energiemärkten wurde dies allein als symbolischer Akt gewertet. Nur zu gut wissen die Akteure, wie eng der Spielraum des Ölkartells ist, wenn kurzfristige Versorgungsengpässe tatsächlich ausgeglichen werden müssen. Neue Ölprojekte brauchen eben Zeit.

Die Märkte mögen – wie es ihre Natur ist – kurzfristig übertreiben. Doch auch mittelfristig zeichnet sich noch keine nachhaltige Entspannung beim Öl ab. Die Preise werden daher hoch bleiben.

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