Rente: Falsche Begehrlichkeit

Rente
Falsche Begehrlichkeit

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Hinterher ist man klüger. Diese Binsenweisheit gilt auch für die Große Koalition. Vor einem Jahr hatte sie den Rentenbeitrag von 19,5 auf 19,9 Prozent angehoben und damit für Verdruss gesorgt. Ohne einen Aufschlag, so fürchteten die Experten, drohe die Rücklage der Rentenkassen unter den gesetzlichen Mindestwert zu fallen. Nun zeigt sich:Die Sorge war unbegründet. Tatsächlich bescherte der konjunkturelle Aufschwung einen Überschuss. Auch mit dem alten Beitragssatz hätte man das Jahr überstanden.

Dumm gelaufen. Oder auch nicht. Mit jenen 11,7 Milliarden Euro, die nun in den Rücklagen schlummern, verfügen die Alterskassen erstmals seit langem über ein finanzielles Polster, das halbwegs diesen Namen verdient. Die Summe klingt gewaltig. Doch sie reicht gerade einmal aus, die Renten 22 Tage auszuzahlen. Natürlich ist ein Umlagesystem keine Sparkasse. Aber die Erfahrung von 2005 zeigt, wie schnell in einer konjunkturellen Durststrecke die Rentenkassen bei zu geringen Rücklagen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geraten. Damals musste der Finanzminister mit einer Milliardenspritze aushelfen.

Es gibt also gute Gründe für die gesetzliche Vorgabe, dass die Renten-Rücklagen zunächst den Gegenwert von anderthalb Monatsausgaben erreichen müssen, bevor der Beitrag gesenkt werden kann. Doch Geld weckt Begehrlichkeiten: Für die Politik wird vor der Bundestagswahl die Versuchung wachsen, die Früchte vorzeitig zu verteilen. Das sollte sie im eigenen langfristigen Interesse besser lassen. Noch weniger aber gibt es nun Anlass zu wohlfeilen Versprechen für die Rentner. Deren Einkünfte richten sich aus gutem Grund nicht nach der Kassenlage, sondern nach der Lohnentwicklung. Und die war 2007 trotz allem nicht so berauschend, dass die Rentenformel eine kräftige Anhebung hergeben würde.

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