Rente
Kommentar: Von unten nach oben

Die Große Koalition hat eine fatale Entwicklung eröffnet: Fortan wird die Rente nach Umfragewerten berechnet.
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Wer einmal an einem Schräubchen in einem Getriebe gedreht hat, der weiß, welche Wirkung ein unbedachter Eingriff in ein komplexes System entfalten kann. Zu dieser Erkenntnis gelangt nun auch die Bundesregierung: Eigentlich wollte sie nur mal kurz an der Rentenformel herumbiegen, um den Senioren im Wahljahr 2009 eine schöne Erhöhung ihrer Bezüge von zwei Prozent zu bescheren. Doch nun zeigt sich, dass die Manipulation nicht nur Milliarden kostet, sondern mittelfristig die Renten schmälern wird.

So ist das mit einer Gleichung, deren Ergebnis feststeht:Bis 2020 soll der Rentenbeitrag nicht über 20 Prozent klettern. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die Regierung den dämpfenden Riester-Faktor, den sie 2008 und 2009 aussetzen will, in den Jahren 2012 und 2013 nachwirken lassen. Das Resultat lässt sich im Gesetzesentwurf nachlesen: Statt um 2,2 Prozent würden die Renten 2012 um mickrige 0,7 Prozent steigen. Das wäre kaum mehr, als in diesem Jahr ohne Manipulation herausgesprungen wäre. Doch da argumentieren die Politiker, ein Zuschlag von weniger als einem Prozent sei nicht zumutbar.

Zufälligerweise stehen auch 2013 wieder Wahlen an. So kann man erahnen, was die nächste Regierung machen wird, wenn 30 Milliarden Euro in den Rücklagen schlummern. Richtig: Sie wird erklären, dass die Rentenanpassung erneut ein bisschen kräftiger ausfallen muss. Der Riester-Faktor wird dann auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben.

Die Große Koalition hat eine fatale Entwicklung eröffnet: Fortan wird die Rente nach Umfragewerten berechnet. Weil die Älteren in der Mehrheit sind, müssen die Jüngeren bezahlen. So einfach ist das. Mit Generationengerechtigkeit hat diese Umverteilung von unten nach oben nichts mehr zu tun.

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