Republikaner wählen in Michigan: Kommentar: Mehr Fluch als Segen

Republikaner wählen in Michigan
Kommentar: Mehr Fluch als Segen

Ob Mike Huckabee, John McCain oder Mitt Romney – jeder von ihnen steht für einen anderen Teil der Wählerschaft. Der eine gefällt dem evangelikalen Amerika, der andere dem unabhängigen und Romney steht vor allem für Corporate America. Und schließlich wartete auch noch Rudy Giuliani hinter den Kulissen, der die moderaten Republikaner bedient, die beides wollen: viel Sicherheit und viel Liberalismus.

Die Post-Bush-Ära lässt die Republikaner in vielfacher Hinsicht ratlos. Keiner von ihnen will sich persönlich mit dem derzeitigen Amtsinhaber identifizieren, aber auch keiner mag inhaltlich eine Art Nachfolger sein. Jeder von ihnen sucht sich aus dem konservativen Erbe der letzten 20 Jahre heraus, was passen könnte. Doch nichts gefällt insgesamt. Sollte sich das nicht ändern, dann bringt sie das in einen grundsätzlich strategischen Nachteil gegenüber den Demokraten. Denn ein republikanischer Nischen-Kandidat hätte es in jedem Fall schwer gegenüber einem allgemein akzeptierten demokratischen Bewerber.

John McCain, der nach seinem Erfolg in New Hampshire kurze Zeit wie ein cross-over-Kandidat aussah, hat dieses Image in Michigan wieder eingebüßt. McCain – so angenehm authentisch er auch sein mag – gewinnt vor allem bei jenen, die eben nicht wirkliche Hardcore-Republikaner sind. In New Hampshire, aber auch schon on Iowa räumte er bei den unabhängigen und auch bei den eher demokratisch gesinnten Wählern ab. Doch das Siegen am republikanischen Rand nützt wenig, wenn es um das große Ganze geht.

Das Ergebnis der Wahl in Michigan wird die Debatte um einen neuen bislang noch eher unbekannten republikanischen Bewerber weiter befeuern. Wir werden wieder von Michael Bloomberg lesen – der inzwischen auch nicht einmal mehr den Republikanern angehört – und der als möglicher Heilsbringer gefeiert wird. Und es wird weiter über Giuliani spekuliert werden, ob denn doch der New Yorker Ex-Bürgermeister in der Lage sein wird, die republikanischen Flanken zu einen. Währenddessen hat das inzwischen auf drei Bewerber reduzierte Feld der Demokraten genügend Zeit, sich als handlungsfähig zu präsentieren. Vielfalt kann gelegentlich auch ein Fluch sein.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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