Restrukturierungsprogramm
Kommentar: Escadas letzter Lauf

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Der neue Vorstandschef, der Franzose Jean-Marc Loubier fackelt beim Münchener Modekonzern Escada nicht lange – und das ist auch gut so. Die größte deutsche Luxusdamenmodemarke steht seit Jahren lichterloh in Flammen. Die im Jahr 1976 von Wolfgang und Margaretha Ley gegründete Marke hatte ihre Hochzeiten mit Goldknöpfchen in den 80er Jahren, und seitdem ihre Identität Stückchen für Stückchen verloren, und durch Vernachlässigung des margen- und imageträchtigen Geschäfts mit Accessoires wie Taschen auch in Umsatz- und Gewinnwachstum den Anschluss an die internationale Luxusliga verloren.

Dass sich die schon vom Gründer ausgegebene Parole – Escada zum deutschen Chanel zu machen – jetzt gerade ein Franzose, der zudem erst jüngst vom russischen Großaktionär Rustam Aksenenko inthronisiert wurde, auf die Fahnen geschrieben hat, klingt schon fast nach einem Treppenwitz auf Kosten der deutschen Luxusunlust. Doch jenseits aller Ironie und Schelte, ist das Restrukturierungsprogramm „Escada Excellence" zwar wohl die letzte, aber durchaus aussichtsreiche Chance für Escada.

Der frühere Manager des weltgrößten Luxuskonzerns LVMH will die Münchener Marke vom Kopf auf die Füße stellen: Das margenträchtige Accessoires-Geschäft soll künftig bis zu 20 Prozent zum Umsatz beitragen, in den eigenen Einzelhandel sollen beträchtliche Investitionen fließen, und die Kollektionen, die zuletzt zwischen den Extremen Escada Sport und Escada Collection unentschieden pendelte, sollen klarer positioniert werden.

Inhaltlich birgt das Programm keine Überraschungen – die Schwächen sind seit Jahren offensichtlich, und waren auch schon vom Ende Mai geschassten Vorstandschef Frank Rheinboldt identifiziert worden. Neu ist die Deutlichkeit und der Durchsetzungswille, den der Franzose und der Russe beim Münchener Modehaus an den Tag legen – und das gibt Grund zur Hoffnung für das deutsche Chanel.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin

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