Risiken und Nebenwirkungen der Geldpolitik der ruhigen Hand
Analyse: Riskantes Zögern bei der Zinspolitik

Als die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni 2003 ihren Leitzins auf zwei Prozent zurücknahm, wies sie erstmals in ihrer Geschichte darauf hin, dass sie damit nicht die Inflation in Schach halten, sondern die Konjunktur stützen wolle. Seither hat das schwache Wirtschaftswachstum im Euro-Raum in den Augen der Währungshüter keine Zinserhöhung mehr erlaubt – auch nicht im vergangenen Jahr, als die Wirtschaft um real 1,8 Prozent wuchs. Zu einem Wachstum in dieser Größenordnung hätte eigentlich ein höherer Leitzins gepasst.

Mit der jüngsten Eintrübung der Konjunktur wird die Rückkehr zu „neutralen“ Zinsen erneut aufgeschoben, obwohl die EZB nur eine vorübergehende Schwäche prognostiziert. Die Finanzmärkte gehen jetzt davon aus, dass der Euro-Leitzins in diesem Jahr nicht mehr erhöht wird. Auf Dauer sind niedrige Zinsen aber kein Segen per se. Die Risiken und Nebenwirkungen der Geldpolitik der ruhigen Hand sind nicht mehr zu übersehen.

Die Zentralbank selbst warnt seit dem Sommer des vergangenen Jahres vor den Gefahren, die von der hohen Liquidität ausgehen, die nun schon seit Jahren den Euro-Raum überschwemmt. Die Geldmenge wächst nach wie vor schneller als von der EZB angestrebt. Nach ihren Berechnungen sind über zehn Prozent mehr Geld im Umlauf, als notwendig wäre, um inflationsfreies Wachstum zu finanzieren.

Die EZB räumt ausdrücklich ein, dass das hohe Geldmengen- und Kreditwachstum hauptsächlich auf „die stimulierenden Effekte des niedrigen Zinsniveaus“ zurückzuführen sind. Mit der jetzt erst für Anfang des kommenden Jahres zu erwartenden Zinswende wird über Monate hinweg zusätzlich Liquidität angehäuft.

Vermutlich ist die Einschätzung des EZB-Rats richtig, wonach kein Anstieg der Verbraucherpreise drohen würde, weil sich die überschüssige Liquidität in erhöhter Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen niederschlagen könnte. Der private Konsum lässt zu wünschen übrig. Das Verbrauchervertrauen stagniert. Auch im kommenden Jahr wird kein überbordendes Wachstum erwartet.

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