ROCHE
Richtig kalkulieren

Der Schweizer Pharmariese Roche hat gestern den bislang höchsten Gewinn präsentiert.

Das ist schön für Roche, für seine Mitarbeiter und wohl auch für die Aktionäre. Weniger schön aus Sicht der Sozialsysteme ist, wie dieses Geld verdient wird.

Da gibt es den Umsatzrenner „Mabthera“, ein Medikament, das gegen bestimmte Krebsarten hilft. Der Umsatz steigt, weil Roche inzwischen herausgefunden hat, dass auch Arthritis-Patienten von dem Medikament profitieren. Die dadurch gestiegene Produktion verbilligt die Stückkosten. Doch Roche denkt nicht daran, diesen Effekt an die Patienten weiterzugeben. „Mabthera“ kostet nach wie vor rund 3 000 Euro pro Dosis.

Das zweitwichtigste Roche-Medikament ist „Herceptin“, das Brustkrebs-Patienten helfen kann. Es wird in der Regel über ein Jahr verabreicht. Jüngere Untersuchungen legen nahe, dass die heilende Wirkung eventuell auch bei kürzerer Verabreichungsdauer erreicht werden kann. Dadurch würde der Umsatz natürlich gedrückt.

Nummer neun auf der Liste der wichtigen Medikamente ist „Tarceva“. Mit mehr als 100 Prozent Umsatzwachstum ist dieses Krebsmedikament der Aufsteiger des Jahres. Ärzte setzen jedoch angesichts einer nur minimalen Zeit, die ein Patient mit „Tarceva“ länger überlebt, ein Fragezeichen hinter die teure Therapie.

Das Problem ist, dass die Nachfrage auf dem Gesundheitsmarkt völlig preisunelastisch ist. Die Kassen zahlen jeden Preis für ein neues Medikament, wenn es Heilung verspricht. Sie treffen auf Anbieter, die für bestimmte Therapien ein Monopol auf Zeit haben. Dies steht innovativen Unternehmen auch zu. Überziehen sie aber dabei, wird der Ruf nach administrierten Preissenkungen laut – auch das müssen Roche & Co. einkalkulieren.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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