Rohstoffe
Die Opec reibt sich die Hände

Das Ölkartell kann sich entspannt zurücklehnen - der Preis läuft von allein in die gewünschte Richtung.
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Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wird ihre Produktion nicht verändern. Dieser Beschluss deckt sich mit den Erwartungen der Märkte und hat diese daher völlig kaltgelassen. Selten dürfte dem Ölkartell eine Entscheidung so leicht gefallen sein wie diesmal. Eine Änderung der Förderquoten - egal ob eine Erhöhung oder eine Kürzung - wäre im Zweifel schädlich gewesen.

Die Entwicklung an den internationalen Energiemärkten spielt der Organisation zurzeit in die Hände. Dies gilt natürlich an allererster Stelle für die Preise, die nach Bekunden von Opec-Vertretern für die Kartellmitglieder mit rund 70 Dollar ein "zufriedenstellendes" Niveau erreicht haben. Mit anderen Worten: Auf diesem Niveau arbeiten die meisten der Ölstaaten kostendeckend oder erzielen sogar Gewinne. Noch Ende 2008 sah das ganz anders aus. Mit der wirtschaftlichen Schwäche und dem daraus folgenden Einbruch der globalen Nachfrage waren auch die Ölpreise abgerutscht. Im Dezember vergangenen Jahres kostete ein Barrel Rohöl (159 Liter) nur noch wenig mehr als 30 Dollar.

Solche Preise dürften aber wohl Vergangenheit sein. Noch treiben zwar eher die Hoffnung und der Optimismus über eine wirtschaftliche Erholung die Rohstoffpreise insgesamt und damit auch die Ölnotierungen nach oben. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass die Weltwirtschaft langsam aber sicher wieder in Gang kommt. Wie passend für die Opec, dass die amerikanische Notenbank gerade zu dem Treffen des Kartells einen optimistischen Ausblick gab. Die Ölanbieter müssen sich vor diesem Hintergrund einfach nur zurücklehnen und den weiteren Preisanstieg abwarten.

Positive Nachrichten - fast schien es wie abgesprochen - gab es zeitgleich mit der Opec-Sitzung auch vom American Petroleum Institute, dem Interessenverband der amerikanischen Öl- und Gasindustrie. Er berichtete von einem unerwartet starken Rückgang der Lagerbestände in den USA. Vor einem solchen Hintergrund verblassen Nachrichten völlig, die preisdämpfend wirken.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings auch in dieser insgesamt für die Opec so günstigen Lage, und der kommt aus der eigenen Organisation. Denn die Kartellmitglieder halten nicht alle still. Die steigenden Preise wecken Begehrlichkeiten. Die Folge: Die sogenannte Quotendisziplin bröckelt, einzelne Staaten versuchen also mit einer höheren Produktion mehr Geld in die eigene Kasse zu spülen. Dies birgt die Chance, dass der Preisanstieg ins Stocken gerät. Doch abbrechen wird er wohl nicht. Denn dann wird die Opec reagieren und erneut gegensteuern.

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