Rohstoffe
Grenzen des Wachstums

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Was kann den Aufstieg Chinas bremsen? Jahr für Jahr übertrifft das Wirtschaftswachstum die Prognosen, expandiert die Industrie, schwellen die Metropolen an. Das Wirtschaftswunder im Reich der Mitte ist unaufhaltsam. Oder?

Wer die Entwicklung der Rohstoffmärkte verfolgt, dem kommen Zweifel. Die Förderung von Bodenschätzen läuft weltweit auf Hochtouren. Die ungenutzten Kapazitäten werden von Jahr zu Jahr geringer. Die Abermilliarden, die in die Erschließung neuer Ressourcen fließen, kaufen immer weniger zusätzliche Produktion. Das liegt daran, dass die Projekte anspruchsvoller und Mensch und Material knapper werden. Das treibt die Kosten in die Höhe und damit die Preise. Wir beobachten ähnliche Entwicklungen bei Öl und Kohle, Kupfer und Eisenerz und in der Folge bei Stahl und Aluminium.

Unter dieser Entwicklung leiden alle Importländer, doch keines so wie China. Das Milliardenvolk befindet sich, was den Rohstoffverbrauch anbelangt, am Anfang seiner Entwicklung. Das zeigen Grafiken, die den Pro-Kopf-Verbrauch verschiedener Mineralien in Beziehung zum Pro-Kopf-Einkommen setzen. Der typische Verlauf ist eine S-Kurve. Erst langsam, dann mit zunehmender Industrialisierung und Urbanisierung immer schneller steigt der Pro-Kopf-Verbrauch, bis er bei steigendem Wohlstand abflacht. China hat gerade erst den steilen Teil der Kurve in Angriff genommen.

Ökonomen sagen voraus, dass sich Chinas Verbrauch an Energie und Rohstoffen innerhalb von zehn Jahren verdoppeln wird. Dabei ist das Land schon jetzt Hauptkunde der Rohstoffkonzerne. Kein Wunder, dass sich diese nun in optimistischen Prognosen übertreffen: So einen Markt hatten sie zuletzt im Wiederaufbau-Boom nach dem Zweiten Weltkrieg.

Um möglichst viel davon mitzubekommen, bietet Weltmarktführer BHP Billiton für den Konkurrenten Rio Tinto. Die Fusion würde einen Moloch gebären, der die Preise noch viele Jahre auf Rekordhöhen halten könnte. Die Aussicht darauf hat die chinesische Regierung aufgeschreckt. Staatskonzerne suchen bereits in Afrika nach Öl, wo es den westlichen Ölmultis zu riskant oder zu wenig profitabel erscheint. Nach ähnlichem Muster dürften Chinas Rohstoff- und Metallunternehmen in Zukunft häufiger als Käufer von Minen und Schürflizenzen auftreten, zum Beispiel im bürgerkriegsgeschädigten Kongo, um den die Bergbaukonzerne einen Bogen machen. Doch Minenprojekte haben lange Vorlaufzeiten – eine schnelle Lösung ist das nicht.

Alternativ könnte China versuchen, einen großen Bergbaukonzern wie Rio Tinto zu kaufen. Doch die Aussichten, dass die Regierungen Australiens, Brasiliens oder der USA dem zustimmen, scheinen gering. Eine dritte Alternative wäre ein strategisches Bündnis mit Russland, das China praktisch alles liefern könnte, was das Land zum Wachstum braucht. Doch warum sollten die Russen das zu Vorzugspreisen tun?

China bekommt zu spüren, dass die Globalisierung wechselseitige Abhängigkeiten schafft. Der Rohstoffhunger des Landes ist so groß, dass er die Märkte noch lange dominieren und die Preise treiben wird. Das wird die Inflation anheizen und Chinas Exporte verteuern. Stößt China dann an die Grenzen des Wachstums, vor denen der Club of Rome schon 1972 gewarnt hat?Möglich scheint das.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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