Rohstoffe
Größenwahn

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Ein jahrelanger Boom in einer Branche löst oft einen Größenwahn aus. Da ist auch die Rohstoffbranche keine Ausnahme. Der Nachfrageschub aus China und Indien hat die lange Zeit von Anlegern verschmähte Industrie auf die Sonnenseite der Weltkonjunktur befördert. Preissprünge bei Metallen, gegen die der jüngste Ölpreisanstieg harmlos aussieht, füllen den Bergbaukonzernen die Kassen mit Abermilliarden Dollar. Um so viele wie möglich davon mitzunehmen, sind Fusionen ein probates Mittel. Sie steigern die Kapazität viel schneller, als es durch die langwierige Erschließung neuer Minen möglich wäre.

Der vorgeschlagene Zusammenschluss des Weltmarktführers BHP Billiton mit seinem Verfolger Rio Tinto würde einen Rohstoffgiganten mit einem Börsenwert von an die 400 Milliarden Dollar schaffen, wie es ihn bisher nur in der Ölbranche gibt. Anders als Exxon oder Petrochina würde „BHP Rio“ allerdings eine ungesunde Marktmacht erreichen.

Wenn die Fusion durchginge, würde sie ohne Zweifel weitere Zusammenschlüsse in diesem Sektor nach sich ziehen. Am Ende könnten vielleicht noch drei Giganten die Rohstoffpreise weltweit diktieren. Schon jetzt ist zum Beispiel bei Eisenerzen, einem wichtigen Vorprodukt für Stahl, dieser Zustand praktisch erreicht. Auch für weitere Fusionen in der Ölbranche, etwa BP und Shell, könnte BHP die Blaupause liefern.

Die Wettbewerbshüter müssten also einen sehr kritischen Blick auf diese Fusion werfen, sollte sie zustande kommen. Die Barrieren für einen Markteintritt sind im Bergbau enorm hoch. Ein Oligopol hätte also jede Aussicht, dauerhaft Bestand zu haben. Wie die Entwicklung in der Stahlbranche zeigt, wird es zudem Konzentrationstendenzen in den Abnehmerindustrien beschleunigen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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