Rücktritt von Pierers
Kommentar: Die Lehren aus dem Fall Siemens

Die Warnungen sind laut genug gewesen, doch Heinrich von Pierer ließ sich trotzdem nicht davon abbringen: Die Regeln einer sauberen und transparenten Unternehmensführung („corporate governance“) empfehlen, dass ein Vorstandsvorsitzender zum Ende seiner Amtszeit nicht sofort auf den Chefposten des Aufsichtsrates wechseln sollte. Weil der oberste Kontrolleur im Nachhinein seine eigene Entscheidungen als ersten Mann im Unternehmen überwachen würde.

Und genau an diesem Problem ist Heinrich von Pierer jetzt gescheitert. Die Schmiergeldzahlungen in Italien, die verdeckten Geldströme an Arbeitnehmervertreter, die Probleme mit der Sparte Telekommunikation: Alle Korruptionsfälle bei Siemens haben sich während der aktiven Amtszeit Pierers als Konzernchef ereignet.

Auch wenn er unmittelbar für alle diese Fälle keine Verantwortung trägt und im Sinne des Strafrechts unschuldig ist, bleibt der große Makel an seiner Person hängen. Der Vorstandschef hat letztlich die Alleinverantwortung für alles, was in einem Unternehmen passiert. Insofern ist es völlig richtig, dass Pierer jetzt seine Konsequenzen gezogen hat.

Andere Unternehmen werden hoffentlich aus diesem Fall Siemens ihre richtigen Schlussfolgerungen ziehen und bei der Besetzung ihrer Aufsichtsratsposten besser aufpassen. Ein Konzernchef darf nicht sofort an die Spitze des Kontrollgremiums ziehen, das lehrt das Beispiel Siemens.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%