Rüstungsindustrie
Verteilungskämpfe

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Europas Rüstungsindustrie muss sich in den nächsten Jahren auf Magerkost einstellen, zumindest auf den Heimatmärkten. Deshalb fordern sowohl die Politik wie die Industrie, große, Länder übergreifende Rüstungsprogramme zu starten. Die Staaten bekommen dank höherer Gesamtstückzahlen Systeme zu günstigeren Preisen, als wenn die einzelne Staaten kleinere, individuelle Serien bestellen. Und die Hersteller können das Entwicklungsrisiko auf größere Stückzahlen verteilen und auf die Exportattraktivität solcher Programme hoffen. Meist sind es einzelne Regierungen, die nationale Lösungen einer großen bevorzugen. Frankreich zum Beispiel meidet den Eurofighter und setzt lieber auf das heimische Jagdflugzeug Rafale. Aber auch die Industrie versucht zuweilen, ein europäisches Programm zu torpedieren. Auch hier scheint mehr Prestige als ökonomisches Kalkül im Vordergrund zu stehen. Wie jetzt Dassaults Versuch, mit gleich zwei Gegenofferten die europäische Aufklärungs-drohne von EADS noch abzufangen, die Frankreich, Deutschland und Spanien möglicherweise bestellen wollen. Dassault hat es wohl nicht verwunden, dass ausgerechnet die französische Rüstungsagentur dem deutsch-französischen Konzern EADS bei dem Drohnen-Auftrag den Vorzug gibt.

Gegen Wettbewerb ist nichts einzuwenden. Doch der Rüstungsmarkt hat eigene Regeln. Firmen wie Dassault können nicht die stagnierenden nationalen Budgets beklagen, zum Ausgleich Länder übergreifende Programme fordern und gleichzeitig einen Keil zwischen die Drohnen-Einkaufsgemeinschaft Deutschland, Frankreich und Spanien treiben. Europa braucht mehr große Lösungen. Nur so lässt sich noch etwas wehrtechnische Autonomie gegenüber der Supermacht USA bewahren.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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