Rundfunk
Kommentar: Inkasso von ARD und ZDF

Wenn es ums Geld geht, kennt die ARD kein Pardon. Sie pocht auf die Einführung einer Rundfunkgebühr für internetfähige Computer von monatlich 5,52 Euro.

Allein der Besitz eines Notebooks mit UMTS-Karte oder eines PC mit einem Internetanschluss soll im nächsten Jahr genügen, damit die Kölner Gebühreneinzugszentrale (GEZ) künftig vor allem bei Selbstständigen und Unternehmen vorstellig werden kann. Die kompromisslose Haltung von ARD und ZDF ist eine Provokation. Denn mit jährlich über sieben Milliarden Euro an Gebührengeldern ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk bisher schon so opulent finanziert wie nirgendwo sonst auf der Welt. Doch den Anstalten reichen die Rekordeinnahmen noch immer nicht aus. Dabei hätten sie genug Möglichkeiten Geld zu sparen, von der hauseigenen Bürokratie bis zu zweifelhaften Verträgen mit abgehalfterten Sportgrößen.

Die Länderchefs sind gefordert, dem Goldrausch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Einhalt zu gebieten. Bei der Einführung einer Computergebühr geht es dem öffentlich-rechtlichen Bezahlfernsehen nicht nur um Geld, sondern um eine strategische Weichenstellung. ARD und ZDF wollten künftig bei allen möglichen digitalen Geräten wie Handys, Notebooks oder PDAs mitverdienen.

Dabei ist eine Geräte-Gebührenmodell so überholt wie das Schwarz-Weiß-Fernsehen. Die Länderchefs, die in Rundfunkfragen bisher viel zu oft zauderten, sollten den Mut aufbringen, das Inkassobüro ARD & ZDF zu stoppen. Die immer neuen Gebührenmodelle aus der Schublade der Intendantenbüros müssen endlich von einer pauschalen Gebühr pro Haushalt abgelöst werden. Das ist nicht nur fair, sondern auch effektiv. Die teure GEZ kann dann getrost aufgelöst und die Gebühren sogar gesenkt werden.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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