Kommentare

_

Russland: Der Fluch des schwarzen Goldes

Der Ölexport sorgt in Russland seit Jahren für Wachstum. Doch die goldenen Zeiten scheinen erst einmal vorbei. Wieder aber hat Moskau die Chance zu grundlegenden Reformen verschlafen.

Anzeigegeräte in einer Ölraffinerie in Moskau. Quelle: Reuters
Anzeigegeräte in einer Ölraffinerie in Moskau. Quelle: Reuters

Bis zum Sommer war Russlands Wirtschaft noch stark gewachsen, stärker als im Vergleich zum Vorjahr. Und dies trotz Euro-Krise und abkühlender Weltwirtschaft. Angetrieben wurde das Wachstum von höheren Konsumausgaben, weil die Russen mehr Geld in den Taschen hatten. Die Löhne stiegen, die Inflation war niedrig und die Arbeitslosigkeit erreichte im August mit rund fünf Prozent einen Tiefststand.

Anzeige

Gleichzeitig - und wie stets in der Vergangenheit - spielten auch die hohen Exporteinnahmen für Öl und Gas eine zentrale Rolle. Doch dieses sanfte Ruhekissen, auf dem sich die Führung in Moskau bislang bettete, wird nun weggezogen. Nach der beachtlichen Zahl von 4,5 Prozent Wachstum in der ersten Jahreshälfte setzte inzwischen ein Abwärtstrend ein. Trotz weiterhin hoher Rohstoffpreise verlangsamt sich das Wachstum.

Wahl in Russland Die Verlierer und Gewinner unter Russlands Oligarchen

  • Wahl in Russland: Die Verlierer und Gewinner unter Russlands Oligarchen
  • Wahl in Russland: Die Verlierer und Gewinner unter Russlands Oligarchen
  • Wahl in Russland: Die Verlierer und Gewinner unter Russlands Oligarchen
  • Wahl in Russland: Die Verlierer und Gewinner unter Russlands Oligarchen

War bislang eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts im Gesamtjahr von 3,8 Prozent erwartet worden, hat die Weltbank gerade ihre Prognose nach unten korrigiert. Zunächst zwar nur leicht auf 3,5 Prozent. Aber doch in der Tendenz besorgniserregend. Dieser nach unten korrigierten Vorhersage schließen sich inzwischen auch IWF und auch das russische Wirtschaftsministerium an.

Für das kommende Jahr sind die Perspektiven kaum besser: Statt 4,2 Prozent wie bislang angenommen, soll das Wachstum laut Weltbank nur noch 3,6 Prozent betragen. Eine Vier vor dem Komma, wie im vergangenen Jahr, rückt damit weit in die Ferne, ganz zu schweigen von den Traumwerten von über acht Prozent in den Jahren 2006 und 2007. 3,5 Prozent - für Russland wäre dies mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 der niedrigste Wert seit fast 15 Jahren. Die Entwicklung kannte nur eine Richtung: aufwärts.

Verantwortlich dafür war der Ölpreis, der mit der Jahrtausendwende stetig und rasant in die Höhe kletterte. Russland gehörte zu den großen Profiteuren dieser Entwicklung. Erneut sorgte dies jedoch dafür, dass wichtige Tatsachen verdrängt wurden: die allzu große Abhängigkeit von Rohstoffen und die Notwendigkeit einer umfassenden Modernisierung der Wirtschaft.

Der Aufbau eines Mittelstandes - seit zwei Jahrzehnten diskutiert und gefordert - blieb weiterhin aus. Dabei ist den Entscheidern spätestens seit dem turbulenten Jahr 2009 bewusst, dass nur mit einem grundlegenden Strukturwandel die Abhängigkeit vom Ölexport reduziert werden kann. Doch geändert hat sich kaum etwas. Und auch jetzt zeigen pessimistische Zukunftsszenarien, die von einem stark sinkenden Ölpreis ausgehen, noch keine große Wirkung.

  • 19.10.2012, 10:39 UhrJaja

    @bjarki
    Sie müssen ja wirklich ein Putin-/Russlandtrauma haben... Kein Kommentar von Ihnen enthält wenigstens ein bisschen Sachverstand zu kommentiertem Artikel. Sie tun mir wirklich Leid.

  • 18.10.2012, 23:10 UhrPubliusAeliusHadrianusGraeculus

    Nun. Die Russen haben die letzten Jahre dafür genutzt, sich an Erdöl- und Erdgasprojekten in Afrika, Israel, Osteuropa, Mitteleuropa, Asien, Vietnam, China usw., Lateinamerika zu beteiligen. Die Verschuldung hält sich auch in Grenzen. Die Rohstoffvorkommen der USA, Europa ohne politisches Risiko sind doch eher begrenzt. Insoweit sollten sich die gerade die Mitteleuropäer Sorgen machen, wenn es Russland schlecht gehen sollte.

  • 18.10.2012, 17:39 Uhrbjarki

    Putin ist Diktator und dazu noch einer der Sorte, der typischerweise keinen blassen Schimmer von Wirtschaft hat. Dazu kommt dass kein Konzern dieses Kommunisten über den Weg traut. (...). Ich geniesse den Ausblick, den Russland jedesmal hat , wenn die Nachfrage nach Öl sinkt-- den Ausblick in den Bankrott. (..)
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Kommentare
Proteste in der Türkei: „Solange wir Raki trinken, soll uns Erdogan egal sein“

„Solange wir Raki trinken, soll uns Erdogan egal sein“

Ein Volk begehrt gegen seinen Präsidenten auf – gilt das für die Türkei? Nein. Die Protestler sind alles andere als glaubwürdig, meint der türkische Kabarettist und Bestseller-Autor Serdar Somuncu in seinem Gastbeitrag.

Kommentar: Mit einer Frauenquote wird die Wirtschaft besser

Mit einer Frauenquote wird die Wirtschaft besser

Dass die meisten Männer und Frauen in den Vorstandsetagen gegen eine Frauenquote sind, ist nicht verwunderlich. Dabei könnte sie dazu führen, dass die Führung von Unternehmen insgesamt besser wird.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Eine Million Millionäre

Eine Million Millionäre

Die Deutschen werden immer reicher. Anleger profitieren vom Bieterkampf ums Kabelnetz. Reeder gründen eine neue Hanse. Und die ICE- Klimaanlagen nehmen hitzefrei. Der Tagesbericht.

Walter direkt: Unstillbarer Wissensdrang

Unstillbarer Wissensdrang

Die Machenschaften des US-Geheimdienstes NSA zeigen die gigantischen Möglichkeiten der Ausforschung via Internet. Die Wirtschaft muss darauf mit transparenten Regeln für ihre Informationsrecherche reagieren.

Spezialblog Warum Brüderle das Denken sein lassen sollte

Es gibt ein Forum, das nennt sich Trainertalk. Dort können sich verzweifelte Übungsleiter mit Fragen wie "Was mache ich, wenn mein Stürmer nicht mehr trifft?" an die Kollegen wenden. Auch die FDP hat eine Sturmspitze, die in den Strafräumen... Von Stefan Kaufmann. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: Rote Linien für den Handels-Deal

Rote Linien für den Handels-Deal

Europa winkt durch eine Handelspartnerschaft mit den USA ein Wachstumsimpuls von weit mehr als 100 Milliarden Euro. Dennoch sollten den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen klare Bedingungen gestellt werden.

Gastbeitrag: Transatlantische Werte neu justieren

Transatlantische Werte neu justieren

Amerikas Datenskandal und die geplanten Freihandelszone zwischen Europa und den USA prägen den Besuch des US-Präsidenten in Berlin. Dabei werden die Weichen für das transatlantische Verhältnis neu justiert.

Gastbeitrag zur US-Netzspionage: Wenn der gläserne Mensch Realität wird

Wenn der gläserne Mensch Realität wird

Die Polizeigewerkschaft sieht die US-Netzspionage als Vorbild für Deutschland. Der Grünen-Europapolitiker Albrecht weist das zurück und erläutert, warum der EU-Datenschutz immer noch löchrig ist.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.