Russland
Mörderisches Moskau

Die Blutspur in Russland wird immer länger: Auftragsmorde an Unternehmern, Politikern, Bankern und Journalisten scheinen wieder an der Tagesordnung zu sein.

Die Gewalttaten gegen Zentralbank-Vize Andrej Koslow und die oppositionelle Reporterin Anna Politkowskaja sind dabei nur die schreckliche Spitze des Eisbergs. Das wirft die Frage nach den Hintergründen der neuerlichen Gewaltwelle auf. In Russland herrscht im siebten Jahr der Herrschaft Putins inzwischen wieder eine Atmosphäre, in der alles möglich erscheint. So fasst ein deutscher Fondsmanager die Angst vieler Menschen an der Moskwa zusammen. Putins Autorität als „Eiserner Wladimir“, die er sich mit dem Einmarsch ins abtrünnige Tschetschenien aufgebaut hat, schwindet. „Die stählerne Faust wird zur schwachen Hand“, analysiert die Politologin Lidija Schewzowa.

Damit geht die Sorge einher, dass eine neue Welle der Gewalt über Russland hereinbricht, an deren Ende sich der Kremlherr erneut als Aufräumer und „Zar Wladimir“ inszenieren könnte. Dies könnte Putin ein Verbleiben im Amt über das Jahr 2008 hinaus ermöglichen, wenn seine zweite Wahlperiode ausläuft und er laut Verfassung abtreten müsste. Bisher hat Putin eine dritte Amtszeit immer ausgeschlossen. Doch dass ihm ein Abgang von der Macht leichter fallen sollte als etwa Helmut Kohl oder Tony Blair darf bezweifelt werden. Vor allem aber haben nicht nur Putin, sondern etliche andere Leute viel zu verlieren

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%