RUSSLAND
Rückkehr der Killer

Ruhig war es geworden in Russland. Unter dem neuen Kremlherrn Wladimir Putin schwiegen die Kalaschnikows.

Das wenigstens hat die russische Regierung uns jahrelang glauben machen wollen, um damit ein Bild der Stabilität zu zeichnen. Doch nicht nur der feige Auftragsmord am Zentralbank-Vize Andrej Koslow wirft wieder ein Schlaglicht auf die unrühmlichen Geschäftspraktiken in Russland: Zwar häufen sich nicht mehr wie früher die Patronenhülsen nach wilden Schießereien auf Moskaus Straßen. Aber auch unter dem angeblich Stabilität und Sicherheit garantierenden Putin werden nach Angaben von Kriminalexperten jährlich 500 Firmenchefs in Russland Opfer von Auftragsmördern. Die Tendenz ist dabei sogar steigend.

Das wirft die Frage nach dem Warum auf. Die Antwort ist klar: Unter Putin, der mit dem Credo einer Stärkung des Staates, des Ausmerzens oligarchischer Wirtschaftsstrukturen und des Aufbaus seiner „Vertikalen der Macht“ regiert, findet nun schon seit einigen Jahren eine brutale Umverteilung des Eigentums statt. Firmen und Banken bekommen neue Besitzer, Kriminelle und Geheimdienstler liefern sich einen Machtkampf um Unternehmen und letztlich um die Vorherrschaft in der Wirtschaft.

Mit Transparenz, Markt oder gar zivilisiertem Wirtschaften – womit oftmals die Einschränkung von Freiheit und Demokratie im Russland unter Putin gerechtfertigt wird – hat dies alles nichts zu tun. Die Lehre aus der hinterhältigen Ermordung des Zentralbankers Koslow kann deshalb nur lauten: Russland muss endlich zur Rechtsstaatlichkeit übergehen, so dass Auseinandersetzungen in der Wirtschaft vor Gericht und nicht mit dem Anheuern gedungener Killer gelöst werden.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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