Russland
Verfrühte Hoffnung

Der „Zarewitsch“ muss noch lernen: Dmitrij Medwedjew wirkt noch nicht wie Russlands kommender Präsident, wenn er sich hölzern durch seine Redetexte quält.
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Denen merkt man an, dass der Inhalt vom Amtsinhaber Putin stammt, der heute seinen Willen erklärt hat, Ministerpräsident zu werden – falls sein Kandidat Medwedjew gewählt wird.

Doch was würde es bedeuten, wenn das Duo antritt? Wie stark steht Medwedjew unter dem Einfluss seines politischen Ziehvaters, und wie weit geht die ihm nachgesagte Liberalität?

Trotz aller Unkenrufe, dass Russland nicht von zwei Zaren regiert werden kann, muss das Doppelpack keine schlechte Lösung sein. Noch toben die Verteilungskämpfe hinter den Kremlmauern. Die Nominierung von Medwedjew wird von vielen Beobachtern als ein Schlag gegen die Fraktion um Igor Setschin, den Chef der Kremladministration, verstanden. Derzeit ist noch nicht abzusehen, ob diese das einfach so auf sich sitzen lässt. Medwedjew, so fürchten viele, hätte ohne die Protektion Putins nicht die Hausmacht, sich durchzusetzen.

Dass er sich jedoch dauerhaft auf seinen Vorgänger verlassen muss, steht keinesfalls fest. Er ist jung und hat bisher die Fähigkeit bewiesen, mit seinen Aufgaben auch zu wachsen. Sollte er Präsident werden, könnte Putin sich ab einem gewissen Zeitpunkt tatsächlich aus dem politischen Geschäft zurückziehen. Mit Demokratie hat das freilich überhaupt nichts zu tun – das Prozedere erinnert mehr an den Thronwechsel in einer Monarchie: Der Zar macht seinen Sohn zum Regenten, bevor er abtritt. Label wie „liberal“ oder „Falke“ taugen nicht viel, auch wenn sie oft benutzt werden, um russische Politiker einzuordnen.

Medwedjew selbst hat sich über diese Unterscheidungen mokiert – auch, um reale Gegensätze kleinzureden. Doch in einem politischen System, das weniger durch den Wettbewerb von Ideen als durch persönliche Abhängigkeiten geprägt ist, erklären diese Schubladen tatsächlich wenig.

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