RWE muss Gewinnprognose korrigieren
Kommentar: RWE-Chef hat keine andere Wahl

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Der Börsengang der US-Tochter American Water wird für RWE gleich doppelt teuer: Zunächst verlor der Essener Energiekonzern auf einen Schlag vier Milliarden Euro an Wert, als Vorstandschef Jürgen Großmann im November den ursprünglich bereits für Ende vergangenen Jahres geplanten Aktienverkauf überraschend stoppte.

Heute nun muss RWE die Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2008 kräftig nach unten korrigieren, weil der nun hektisch durchgezogenen Börsengang von American Water aller Voraussicht nach mindestens 600 Millionen Euro weniger einbringt als erhofft. Natürlich konnte vor einem halben Jahr niemand voraussehen, wie lange die Kreditkrise in den USA die internationalen Finanzmärkte im Bann hält. Doch aus heutiger Sicht hätte RWE im November ein besseren Verkaufspreis erzielt.

Fest steht darüber hinaus auch, dass die Börse mit der neuen Strategie von Konzernchef Jürgen Großmann überhaupt nicht zufrieden ist.

Allein seit Jahresanfang ist der Kurs der RWE-Aktie um ein Viertel eingebrochen - die Verluste sind damit doppelt so hoch wie beim Düsseldorfer Rivalen Eon. Anders als sein Vorgänger Harry Roels, der RWE in seiner Amtszeit auf die Kerngeschäftsfelder Strom und Gas zurückstutzte, setzt Großmann nun wieder voll auf Expansion. Neben einem Milliarden teuren Ausbau im Bereich erneuerbare Energien will sich der neue RWE-Chef Zugang zu Atomstrom im Ausland verschaffen.

Aus diesem Grund bietet RWE 14 Milliarden Euro für den britischen Versorger British Energy. Zu viel, warnen Analysten und Investoren.

Allerdings hat Großmann wohl keine andere Wahl: Rückgrat der Stromerzeugung von RWE bilden heute noch Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke, die besonders viel klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen. Doch ab dem Jahr 2013 müssen die Energieversorger in Europa die Rechte für den Ausstoß von CO² an der Börse kaufen, was für RWE mit seinem derzeitigen Energiemix Wettbewerbsnachteile zur Folge hätte.

Großmann muss seinen bisherigen Kurs fortsetzen, auch wenn die Börse nicht begeistert ist. Allerdings muss er auch zusehen, schleunigst die Talfahrt der Aktie zu stoppen. Denn die Front der kommunalen RWE-Aktionäre bröckelt und damit das bisherige Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme. Der französische Energiereise EDF habe längst ein Auge auf den größten deutschen Stromerzeuger geworfen, meldet der Flurfunk in Essen. Über RWE könnten die Franzosen endlich groß in deutschen Markt einsteigen. Auch der russische Gazprom gilt immer wieder als heißer Interessant für RWE.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport

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