Sahara-geiseln
Kommentar: Die andere Waffe

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Insofern haben die in der südlichen Sahara ihrer Heimkehr harrenden Geiseln – weniger Abenteuertouristen denn Leichtsinnige – bei ihrer Freilassung unverschämtes Glück gehabt.

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. So lautet eine jahrtausendealte, auch in der Bibel nachzulesende Lebensweisheit. Insofern haben die in der südlichen Sahara ihrer Heimkehr harrenden Geiseln – weniger Abenteuertouristen denn Leichtsinnige – bei ihrer Freilassung unverschämtes Glück gehabt. Schließlich gibt es genügend griffige Beweise dafür, dass Reisen in die unwirtliche Wüstenwildnis nicht nur auf Grund der Witterung, sondern vor allem mit Blick auf die dortige politische Konstellation nur schwer zu kalkulierende Risiken bergen.

Zu verdanken haben die Geiseln ihr Glück gleich einer ganzen Reihe von Umständen: Allen Beteiligten, neben den Heimatregierungen der Verschleppten und den Regimen in Algerien und Mali auch den Entführern, war offensichtlich klar, dass sie ihre krass gegensätzlichen Interessen – Lösegeld in wohl zweistelliger Millionenhöhe einerseits, Schutz von Menschenleben andererseits – nur mit einer pragmatisch angelegten Strategie verfolgen können. Deren wesentliches Merkmal ist Vertrauen bildende Diskretion, die eine Erfolg versprechende Diplomatie erst ermöglicht. Folglich war die Geschwätzigkeit jener publicitysüchtigen Geiseln, die bereits seit Mai wieder die Freiheit genießen dürfen, ebenso fahrlässig wie die zunächst gestartete martialische Aktion der algerischen Streitkräfte.

Noch etwas lehrt das Drama: Die Entführer in Nordafrikas Wüsten nennen sich zwar Kämpfer für den Islam, tatsächlich aber handeln sie überwiegend aus schlicht materiellen Motiven. Der religiöse Anstrich soll das Verbrechen lediglich kaschieren. Sicher: Terror bleibt Terror. Aber im propagierten Krieg gegen diese Seuche muss differenziert werden. Und Vergeltung ist nicht immer die schärfste Waffe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%