Salzgitter
Kommentar: Gefährlicher Erfolg

Zwei Unternehmen aus Niedersachsen sorgen derzeit für Furore. Sie haben die gleichen Wurzeln, könnten unterschiedlicher aber nicht sein.

Da ist zum einen Europas größter Reisekonzern Tui, der wegen chronisch schwacher Renditen im Kerngeschäft einen radikalen Strategiewechsel vollzieht und sich mit dem geplanten Ausbau der Schifffahrt-Logistik zu einem Zweibranchenkonzern wandeln will. Und da ist der kleine Stahlhersteller Salzgitter, den vor wenigen Jahren außerhalb Niedersachsens noch kaum jemand kannte, der aber jetzt Gefahr läuft, Opfer des eigenen Erfolgs zu werden.

Im Gegensatz zur Tui, die auch an der Börse zuletzt eine schwache Figur abgegeben hat und beim nächsten Gegenwind aus dem Dax-30-Index zu kippen droht, glänzt die M-Dax-notierte Salzgitter mit einer Kursverdreifachung innerhalb eines Jahres. Außerdem wird Salzgitter in diesem Jahr abermals ein Rekordergebnis erwirtschaften, nachdem das Unternehmen bereits 2004 den Gewinn um 700 Prozent steigerte.

Das wurmt die Konzernstrategen in Hannover mächtig. Schließlich hatte die Tui, die damals noch Preussag hieß, ihre ungeliebte Stahltochter 1998 zu einem Schleuderpreis verkauft. Doch Salzgitter nutzte die Chance der unfreiwilligen Eigenständigkeit konsequent. Die vor vier Jahren noch von vielen Experten belächelte Übernahme der Mannesmannröhren-Werke (MRW) zum symbolischen Kaufpreis von einer Mark erweist sich nun als echter Glücksgriff. Weder die Preussag noch der Stahl- und Investitionsgüterkonzern Thyssen-Krupp hätten dieses Risiko gewagt.

Als eines der am besten verdienenden Stahlunternehmen in Europa gilt Salzgitter nun aber selbst als lukratives Übernahmeziel. Und es bleibt die Frage, bei welchem Preis der Großaktionär Niedersachsen trotz aller Treueschwüre schwach wird und verkauft.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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