Sanofi und Aventis
Initiative ist gefragt

Die Pharmaforscher in Frankfurt haben von Aventis-Chef Igor Landau erwartet, dass er dem Angreifer entschlossen entgegentritt. Für deutsche Standortinteressen ist es nämlich keineswegs gleichgültig, ob Sanofi-Synthélabo den dreimal so großen Hoechst-Nachfolger Aventis schluckt oder nicht.

Die Pharmaforscher in Frankfurt haben von Aventis-Chef Igor Landau erwartet, dass er dem Angreifer entschlossen entgegentritt. Für deutsche Standortinteressen ist es nämlich keineswegs gleichgültig, ob Sanofi-Synthélabo den dreimal so großen Hoechst-Nachfolger Aventis schluckt oder nicht.

Tausende hoch spezialisierte Arbeitsplätze und unendlich viel Wissen stehen auf dem Spiel. Deutschland sieht sich immerhin als Apotheke der Welt, und der Ausgang des Kampfes um Aventis entscheidet darüber, ob in dieser Apotheke schon bald eine weitere Abteilung schließen muss.

Doch sollten sich Labormannschaften und Aktionäre Landaus Standortwarnungen nochmals auf der Zunge zergehen lassen: Zwei Börsenwochen sind verstrichen, seit Sanofi seine Attacke angekündigt hat, aber Landau lässt immer noch keine schlüssige Abwehrstrategie erkennen. Er nennt Aventis in Sanofis Gebot unterbewertet, lehnt ein Zusammengehen ab, doch sein eigenes industrielles Projekt bleibt seltsam verschwommen.

Das passt zu den anscheinend ziellosen Aufräumarbeiten, die seit der Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc vor fünf Jahren bei Aventis im Gange sind. Noch immer nicht hat der Konzern alle Chemiesparten verkauft. Und obwohl Aventis für die Aktionäre kein schlechtes Geschäft war, weiß niemand so richtig, wo das Management eigentlich hin will.

Bei Sanofi liegen die Dinge anders: Boss Jean-François Dehecq hat schon vor Monaten erkannt, dass er nach Ablauf des Paktes seiner Großaktionäre Total und L’Oréal Ende dieses Jahres zur Beute der Großen der Branche werden könnte. Doch gibt er sich mit der Gefahrenabwehr nicht zufrieden: Er will seinen in 30 Jahren durch 300 Übernahmen gewachsenen Konzern mit einem Schlag unter die Top Drei der Branche bringen.

Der Ehrgeiz, sich im rauen Geschäftsklima der Pharmabranche das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen zu lassen, ist für Sanofis Projekt eine klare Empfehlung. Gegenprobe: Wenn das Aventis-Management die Übernahme tatsächlich durch Aussitzen zum Scheitern brächte, würde der Konzern wohl bald ins Visier des nächsten Aufkäufers geraten. Und der würde über Forschung in Frankfurt wohl nicht lange diskutieren wollen.

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