SAP
Analyse: Riskanter Kurs

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Quelle Surprise! Der Softwareriese SAP geht auf milliardenschwere Einkaufstour. Für fast fünf Milliarden Euro übernehmen die Walldorfer das französische Softwareunternehmen Business Objects. Ein Schelm, wer da nicht sofort an den Erzrivalen Oracle denkt.Der versucht im Geschäft mit Firmensoftware seit Jahren, SAP durch zahlreiche Übernahmen vom Thron zu stoßen. SAP dagegen setzte bislang auf rein organisches Wachstum. Lediglich kleinere Übernahmen leisteten sich die Walldorfer, um die eine oder andere Lücke zu schließen.

Doch diese Strategie scheint das SAP-Management nun ad acta gelegt zu haben. SAP-Chef Henning Kagermann mag noch so eindringlich betonen, dass die Megaübernahme eine Ausnahme war, der Deal markiert einen deutlichen Strategiewechsel. Interessant ist dabei die Frage nach dem Sinn und Zweck des Ganzen. Natürlich ist der sogenannte Business-Intelligence-Markt, Software zum Analysieren und Interpretieren von Geschäftsdaten, ein interessanter. Zwar ist er nur etwa halb so groß wie der Kernmarkt von SAP. Aber mit zweistelligen Wachstumsraten ist es unbestreitbar ein attraktives Geschäft.

Insofern mag der gestrige Einkauf von SAP auf den ersten Blick durchaus berechtigt sein. Dies erst recht, wenn man die Milliarden – wie SAP-Chef Kagermann darstellt – in einen neuen Wachstumsmarkt investiert. Doch genau diese Wortwahl löst die ersten Irritationen aus.

Schließlich ist der BI-Markt genau genommen kein neuer für SAP. Seit Jahren sind die Walldorfer hier mit einer eigenen Lösung unterwegs. Sie haben ihre Bemühungen in den letzten Monaten sogar verstärkt. Ein Kurs, der getrost als erfolgreich bezeichnet werden kann, schließlich konnte SAP im Gegensatz zu konzernunabhängigen Spezialisten wie Cognos oder bis gestern Business Objects mit einem gewichtigen Vorteil punkten: dem Preis. Wer sowieso auf eine SAP-Software setzte, bekam die Analyse-Werkzeuge als Zugabe obendrauf.

Darunter litten viele Nischenanbieter, vor allem Business Objects. Nicht ohne Grund musste das Unternehmen gestern trotz der rosigen Marktaussichten schwache Zahlen veröffentlichen. Der neue Markt taugt als Begründung für die Übernahme also nicht.

Bleibt die starke Kundenbasis der Franzosen. Rund 44 000 Firmen nutzen die Software von Business Objects. Das sind nicht nur mehr Kunden, als SAP hat. Es sind vor allem viele Unternehmen darunter, die in den anderen IT-Bereichen Software von Oracle nutzen. Sie will man nun, so das Kalkül in Walldorf, komplett zu SAP hinüberziehen.

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