SAP
Kommentar: Salamitaktik

Der Mittelstand soll zur neuen Wachstumsmaschine des Softwareunternehmens werden. Das hat die SAP-Spitze immer und immer wieder betont. Gerade deshalb ist die Salamitaktik des Unternehmens mehr als fragwürdig.
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Das Thema ist heikel. Geht es um „Business by Design“ (BBD), die neue Mittelstandssoftware von SAP, sind in der Konzernzentrale alle in höchstem Maße sensibilisiert. Das wundert nicht, schließlich ist das Produkt der Hoffnungsträger des deutschen Softwareriesen. Doch genau das macht die Sache so schwierig. In der Gegenwart dominiert das Geschäft mit dem Kernprodukt für große Unternehmen. Und das läuft, glauben wir den jüngsten Analystenberichten, recht stramm weiter. So gesehen, könnte man Rückschläge bei BBD gelassen sehen.

Doch der Schein trügt. Die aktuellen Zahlen mögen vom Auf und Ab bei der neuen Mittelstandslösung kaum berührt sein, die mittelfristigen Aussichten einer SAP sind es dagegen sehr wohl. Der Mittelstand soll zur neuen Wachstumsmaschine des Softwareunternehmens werden. Das hat die SAP-Spitze immer und immer wieder betont. Gerade deshalb ist die Salamitaktik des Unternehmens mehr als fragwürdig. In kleinen Häppchen wird der Markt auf Verzögerungen bei BBD vorbereitet. Da heißt es, man gehe bewusst vom Gas, um sich Zeit zu nehmen für ein ausgereiftes Produkt. Dann plaudert SAP-Mitgründer Hasso Plattner über voraussichtliche Starttermine für BBD. SAP-Chef Henning Kagermann wiederum berichtet über die Herausforderung, das neue Produkt über das Internet zu betreiben.

Es war die SAP-Spitze, die BBD mit großem Aufwand vorgestellt hat. Es war das Management, das mit dem Umsatzziel von einer Milliarde Dollar im Jahr 2010 vorgeprescht ist. Deshalb wäre es nur fair, den Markt jetzt auch offen über die Fortschritte und mögliche Verzögerungen zu informieren. BBD ist ein völlig neues Produkt. SAP wäre nicht der erste Software-Anbieter, der mit einer solchen Innovation Schwierigkeiten hat. Sie zuzugeben bedeutet keine Schande.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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