SAP/Oracle
Sandkastenspiele

Würde es nicht um so viel Geld gehen und wäre nicht ein großer Teil der Unternehmen in aller Welt betroffen – man könnte und müsste es wahrscheinlich mit Humor nehmen.

Doch so fällt es schwer. Seit Jahren beharken sich die beiden Softwareanbieter SAP und Oracle und bekriegen sich bis aufs Messer. Das gestrige Gefecht markiert einen neuen Höhepunkt. Erstmals nahm SAP direkt Stellung zu den Quartalszahlen und Äußerungen von Oracle. Das mag verständlich sein, denn Oracle stellt Zahlen gegeneinander, die nicht vergleichbar sind. Mal wird mit dem Zukauf von Siebel gerechnet, mal ohne. Auch wenn die Ausmaße nicht klar sind, reduzieren sich die imposanten Wachstumsraten bei genauerer Rechnung nur noch auf ein kleines Plus.

Ob solche Sandkastenspielchen am Ende gut sind, ist zweifelhaft. Die beiden Erzrivalen marschieren auf einem gefährlichen Weg und riskieren dabei einen erheblichen Vertrauensverlust. Da sind zum einen die Finanzmärkte. Selten zuvor haben Quartalszahlen bei Analysten so stark voneinander abweichende Bewertungen erfahren. Da war von einem Rückschlag für SAP bis hin zu guten Aussichten für SAP die Rede. Jedes dieser Urteile ist gut mit den gelieferten Daten zu belegen. Das kann nicht im Sinne der Investoren sein und damit auch nicht im Sinne von SAP und Oracle.

Und schließlich sind da vor allem die Kunden. Sicherlich sind Marktanteile wichtig. Firmensoftware ist teuer. Deshalb ist man bei den größten Anbietern gut aufgehoben, weil diese die Systeme auch noch in fünf Jahren warten und pflegen. Doch wenn sich die Anbieter nur noch darum kümmern, den Rivalen in Schach zu halten, drohen sie ihre Kunden aus den Augen zu verlieren. Gerade hier haben aber alle Softwarehersteller Nachholbedarf, wie die Kritik der Anwender belegt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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