SAP und Microsoft
Weckruf für die Branche

Was für eine Nachricht! Microsoft hat die Hand nach dem deutschen Softwareriesen SAP ausgestreckt. Für viele ist das eine faustdicke Überraschung. Schließlich galten beide – sowohl SAP als auch Microsoft – im hart umkämpften Softwaremarkt als Säulen der Unabhängigkeit. Beide haben die Branchenkrise besser als die meisten Wettbewerber überstanden, beide sind mehr als solide finanziert.

Doch gerade das macht die Nachricht so interessant. Auch wenn die Übernahmegespräche mittlerweile erfolglos beendet wurden – es gab einen, der sie angestoßen, und einen, der zugehört hat. Das zeigt, wie stark der Konsolidierungsdruck im IT-Sektor mittlerweile ist. Immer mehr Erzeugnisse der einstigen Wachstumsbranche werden zu Massenprodukten, den „Commodities“. Ein Preis- und Margenverfall ist die Folge, trotz der mehrjährigen Krise für viele IT-Anbieter immer noch eine ungewohnte Situation. Deshalb suchen sie nach neuen Wachstumsquellen. Das gilt vor allem für Microsoft. Zwar sind die Renditen des US-Konzerns im Kerngeschäft mit Betriebssystemen und Büroanwendungen nach wie vor atemberaubend. Letztlich aber ist der weltgrößte Softwarekonzern ein Massenanbieter, der mehr oder weniger IT von der Stange produziert.

Ganz anders dagegen sieht es bei SAP aus. Zwar liefern auch die Walldorfer Standardsoftware, doch die entspricht eher der Maßkonfektion. Deshalb hätte die Übernahme durch Microsoft auf tönernen Füßen gestanden. Das war es wohl, was die ambitionierte Idee am Ende scheitern ließ.

Einen Erkenntnisgewinn bringt sie gleichwohl: Auch die deutsche Software-Bastion SAP – Deutschlands Vorzeigeunternehmen und einer der zuletzt viel zitierten europäischen Champions – ist keine uneinnehmbare Bastion.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%