SAS
Auf Schmusekurs

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Die skandinavische Fluggesellschaft SAS hat eine Charmeoffensive gegenüber den Gewerkschaften eingeleitet. Die Airline, die in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit wieder in die schwarzen Zahlen geflogen ist, hat in der Vergangenheit stark unter ihrer komplizierten Eignerstruktur gelitten: Die drei Staaten, Dänemark, Norwegen und Schweden, halten 50 Prozent an der Fluggesellschaft und haben wegen nationaler Empfindlichkeiten immer wieder Sand ins Getriebe gestreut.

Zuletzt musste die SAS-Konzernleitung unter ihrem neuen Chef Mats Jansson mit 39 Gewerkschaften in drei Ländern über neue Tarifabkommen verhandeln. Jansson, als langjähriger Boss in der schwedischen Lebensmittelindustrie mit niedrigen Margen bestens vertraut, hat jetzt die Hand Richtung Gewerkschaften ausgestreckt, aber gleichzeitig ein Machtwort gesprochen: „Wenn wir wegen ständiger Streiks nicht fliegen, wird die 60-jährige Ära der SAS bald zu Ende sein.“ Recht hat er. In den vergangenen zehn Jahren kam es allein beim dänischen SAS-Personal zu 73 wilden Streiks. Hunderte eingestellter Flüge und Zehntausende frustrierter Passagiere waren die Folge.

Jetzt scheinen die Beschäftigten der Drei-Länder-Anstalt den Ernst der Lage eingesehen zu haben. Am vergangenen Freitag erklärten die dänischen Gewerkschaften, dass sie sich für eine „streikfreie SAS“ einsetzen wollen. Ein erster Schritt für eine nachhaltige Sanierung der Fluggesellschaft ist getan. Doch Jansson ist Realist und weiß, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis die SAS die kulturellen Unterschiede zwischen den drei skandinavischen Ländern ganz überwunden hat. Wenn das nicht gelingt, werden die nationalen Eigeninteressen zum Sterben einer weiteren Fluggesellschaft führen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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