Satellitengebühr
Böges Schlüsselgewalt

Wer ist zurzeit der mächtigste Medienmann in Deutschland? Es ist nicht Haim Saban und auch nicht Mathias Döpfner oder Gunter Thielen. Es ist Behördenchef Ulf Böge.

Der Präsident des Kartellamts hat mal wieder bewiesen, dass er die Weichen für die Marktentwicklung stellt. Nachdem er bereits zu Jahresbeginn die Übernahme des Senders Pro Sieben Sat 1 durch Springer verhinderte, hat Böge nun die geplante Satellitengebühr beerdigt.Deutschlands größte Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 hat gestern die geplante Verschlüsselung ihrer Sender über Satellit aufgegeben. Böge hatte zuvor mit einer Abmahnung gedroht, sollten TV-Unternehmen in enger Kooperation mit dem Satellitenkonzern SES Astra künftig eine monatliche Gebühr vom Endverbraucher verlangen. Er sah darin eine verbotene Kartellabsprache.

Mit dem erzwungenen Rückzug hat Böge die umstrittene Satellitengebühr weggesperrt. Der Behördenchef hat bewiesen, dass er den Schlüssel zur Verschlüsselung in der Hand hält. Millionen von Zuschauern werden es ihm danken, dass er sie vor einer Satellitengebühr von monatlich 3,50 Euro schützt.Für die TV-Branche ist die unnachgiebige Haltung Böges jedoch eine bittere Lektion. Denn dadurch werden neue Geschäfte mit dem digitalen Satellitenfernsehen verhindert. Ohne Verschlüsselung wird mancher geplante Digitalkanal nie über den Bildschirm flimmern. Am schlimmsten trifft es aber SES Astra. Im Wettbewerb mit dem Kabel hat der Satellitenkonzern einen entscheidenden Nachteil: Ohne Verschlüsselung kann Astra kein Geld von den Endkunden kassieren. Im Gegensatz zu Kabelkonzernen wie Unity und Kabel Deutschland, die längst über eigene Bezahlfernsehangebote verfügen, bleibt Astra damit ein technischer Dienstleister – mehr nicht.

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