Scania - MAN
Kommentar: Von Wolfsburgs Gnaden

Wenn es in Übernahmekämpfen eine entscheidende Frage gibt, dann die, wer das Tempo macht. Vor diesem Hintergrund sieht MAN-Chef Håkan Samuelsson nicht wie ein Sieger aus.

Seit dem Tag, an dem der LKW-Konzern mit seinem Übernahmeangebot für den Konkurrenten Scania auf den Markt kam und sowohl die Großaktionäre als auch Scania selbst sich verweigerten, ist MAN Gefangener der eigenen Vorwärtsstrategie.

Stattdessen hat Scania-Großaktionär Volkswagen in Gestalt von Bernd Pischetsrieder die Regie übernommen und sich nicht nur zum MAN-Großaktionär aufgeschwungen, sondern auch zum Paten einer großen, weltweit aktiven LKW-Allianz. Das ist nun wahrlich eine deftige Pointe in dieser Geschichte. Jahrelang hat VW als Großaktionär nicht so recht gewusst, was man mit Scania, dieser Perle des Brummi-Geschäfts, anfangen sollte. Jahrelang hat VW in diesem Metier vor sich hingewurschtelt, mit wenig Erfolg. Dann kommt der ehemalige Scania-Mann Samuelsson aus München daher, macht ein Angebot, bricht jahrelang aufgebaute Blockaden auf. Doch spielte er zuletzt ausgerechnet jenem Mann in die Hände, der seit Jahren vergeblich die Vision eines großen LKW-Herstellers Volkswagen verfolgt hat: Ferdinand Piëch, der große alte Mann von VW.

So kommt es, dass im Trio MAN–Scania–VW nun die das Sagen erhalten haben, die das LKW-Geschäft am wenigsten professionell beherrschen. So kommt es, dass sich weder Scania-Chef Leif Östling noch Samuelsson als neue Führungsfiguren aufdrängen. Östling scheint ein Mann von gestern, Samuelsson aber wirkt wie ein Herr von Wolfsburgs Gnaden. Vielleicht wird dennoch noch etwas daraus. Ein Traumstart aber sieht anders aus.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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