Schengen
Kommentar: Europäer erster Klasse

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BRÜSSEL. Es war eine Stimmung fast wie nach dem Mauerfall. Tausende Menschen versammelten sich um Mitternacht entlang der osteuropäischen Grenzen, um die volle Reisefreiheit zu feiern, die seit heute alle Europäer genießen können. Die Sektlaune, die sich entlang der alten Schlagbäume breit machte, ist verständlich. Zwar gehören Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn und Slowenen seit 2004 der EU an. Doch noch immer mußten sie bei der Fahrt "in den Westen" den Pass vorzeigen und sich Polizei- und Zollkontrollen stellen.

Diese Prozedur empfanden sie zu Recht als demütigend. Jetzt erst, mit der Aufnahme zum Schengen-Abkommen, fühlen sie sich als Europäer erster Klasse. Es ist unfair, wenn jetzt einige Besserwessis wie die Gewerkschaft der Polizei den Bürgern in Osteuropa die Stimmung verderben und die volle Reisefreiheit als Gefahr für die Sicherheit in Deutschland darstellen.

Die neuen EU-Mitglieder haben in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um ihrer Verantwortung als künftige Schengen-Staaten gerecht zu werden. Die neuen osteuropäischen Außengrenzen wurden mit Milliardenaufwand aufgerüstet. Nicht weniger, sondern mehr Sicherheit ist daher zu erwarten.

Und auch die Deutschen profitieren vom größeren Schengen-Raum. Die Grenzregionen zu Polen und Tschechien liegen jetzt wirklich mittendrin in Europa und sind keine Randlage mehr. Der Grenzverkehr wird zunehmen. Und die regionale Wirtschaft diesseits und jenseits der gefallenen Schlagbäume wird davon profitieren, dass ab heute von Tallin bis Athen freie Fahrt durch Europa herrscht.

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