Schieder Möbel
Kommentar: Relikt aus alter Zeit

Rolf Demuth, der einstige Pionier der deutschen Möbelindustrie, kämpft derzeit um sein Lebenswerk. Der 68-Jährige hat in der vergangenen Woche „vorsorglich“ Insolvenz angemeldet, doch das zuständige Insolvenzgericht hat dem Mehrheitseigentümer der Schieder-Gruppe offenbar noch eine Frist eingeräumt, um die weitere Finanzierung des Unternehmens in letzter Minute selbst zu regeln.

Auch wenn der Insolvenzverwalter schon vor der Tür steht und die Arbeitnehmervertreter hoffen, dass dieser dann die rund 750 betroffenen Arbeitsplätze in Ostwestfalen noch retten kann: Ein böses Omen für die Branche ist das nicht. Die Konsolidierung der Möbelindustrie in Deutschland gilt als abgeschlossen. Im Jahr 2006 erzielte sie sogar erstmals wieder ein solides Wachstum von 7,2 Prozent.

Die Schieder-Gruppe hat sich von dieser insgesamt erfreulichen Entwicklung abgekoppelt, weil sie sich weiter in veralteten Strukturen bewegte. Demuth, der in den 60er-Jahren die Möbelproduktion am Fließband einführte und deshalb respektvoll der „Henry Ford der Möbelbranche“ genannt wurde, hat die Zeichen der Zeit zu spät erkannt.

Während die Verlagerung von großen Teilen der Produktion in das Niedriglohnland Polen in den 80er-Jahren noch als Pioniertat galt, haben inzwischen asiatische Länder, allen voran China, die Funktion der „Werkbank des Westens“ übernommen. Die Chinesen können deutschen Qualitätsherstellern wie Interlübke oder Poggenpohl das Wasser – noch – nicht reichen. Aber für den Massenmarkt, auf dem sich auch die Schieder-Gruppe tummelt, reicht es allemal. In diesem margenschwachen Markt kann auch Europas größter Möbelhersteller schnell ins Schlittern kommen, wenn plötzlich eine Anschlussfinanzierung nicht klappt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%