Schröder-Merkel-Duell
Internationale Presseschau: „Die Deutschen müssen einem Leid tun “

Das TV-Duell zwischen Kanzler Schröder und Angela Merkel ist von der europäischen Presse kritisch bewertet worden. Während einige Kommentatoren Souveränität und Angriffslust bei den Kontrahenten vermissten, sprachen andere den Wählern aufgrund des "langweiligen" und "wenig nützlichen" Auftritts gar ihr Beileid aus.

"La Repubblica" (Italien, Rom):

"Er war besser, aber damit hatten auch alle gerechnet. Sie hat es verstanden, sich schneidender, präziser, kämpferischer als erwartet zu zeigen. Er schien ganz Herr seiner selbst zu sein und war ebenfalls kämpferisch. Er hat seine sieben Jahre an der Macht verteidigt, "sieben Jahre mit Reformen, steigendem Export, in denen Deutschland für Frieden stand". Sie hat hingegen an den Skandal der außer Kontrolle geratenen Arbeitslosigkeit erinnert, an das schwache Wachstum, an den noch immer zerrütteten öffentlichen Haushalt. (...) Den ersten Umfragen zufolge hat er gewonnen, aber alle hatten ihn eh als Favoriten betrachtet. Sie hat verloren, erschien aber viel besser als erwartet."

"Il Messaggero" (Italien, Rom):

"Er, der Verteidiger des kleinen Mannes, der Pazifist, der Kanzler, der seine einfachen sozialen Wurzeln nicht vergessen hat und jetzt mit gezogenem Schwert den Sozialstaat und das Steuerrecht verteidigen will. Sie, die Beschützerin des wirtschaftlichen Neoliberalismus, die die "deutsche Lokomotive" wieder in Schwung bringen und die öffentlichen Konten mit einem zweiten Wirtschaftswunder und neuem Optimismus richten will. Bei dem mit Spannung erwarteten Duell zwischen den beiden Kandidaten auf das Kanzleramt trafen gestern nicht Angela Merkel (...) und Gerhard Schröder (...) aufeinander, sondern zwei Welten, zwei Visionen, zwei Generationen und auch zwei Geschlechter.

"Salzburger Nachrichten" (Österreich):

"Zum Glück dauert der Wahlkampf in Deutschland nur noch zwei Wochen. Mühselig schleppt sich eine Auseinandersetzung dahin, der es an Pfeffer fehlt - ganz wie die TV-Debatte zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kanzlerkandidatin Angela Merkel am Sonntagabend. Beide Seiten, die rot-grüne Regierung wie die Opposition in schwarz-gelb, wirken matt. Von SPD und Grünen konnte man derartiges erwarten. (...) Doch auch CDU/CSU und FDP wirken eigenartig matt. Die Kanzlerkandidatin der Union, Angela Merkel, hat zwar schon einen Schatten-Finanzminister aus dem Hut gezaubert, sie hat die Debatte um die Erhöhung der Mehrwertsteuer rasch beendet. Doch sie ist noch immer nicht unumstritten in der Union. (...) Es erstaunt, dass mehr als ein Viertel der Wähler noch nicht wissen, wen sie wählen wollen, obwohl sich angesichts der Misere ein Wechsel aufzudrängen scheint. Vor die Wahl gestellt zwischen einer erfolglosen Regierung und einer Opposition, der nicht viel zuzutrauen ist, müssen einem die Deutschen Leid tun.

"Neue Zürcher Zeitung" (Schweiz):

"Das am Sonntagabend im deutschen Fernsehen übertragene Streitgespräch zwischen Bundeskanzler Schröder und seiner Herausforderin Merkel bedeutete das Aufeinandertreffen zweier Politikertypen, die unterschiedlicher nicht sein können: Auf der einen Seite der Medienkanzler, der sich vor der Kamera zu produzieren weiss wie keiner seiner Vorgänger. Ihm gegenüber die manchmal spröde CDU-Vorsitzende, die sich bewusst mancher medialen Zumutung verweigert. Am Sonntag vermochte dann aber keiner der Kontrahenten einen eindeutigen Vorteil zu verbuchen."

"Basler Zeitung" (Schweiz):

"Bis zum Schluss blieb das Duell ohne Überraschungen. Es bestätigte, was man ohnehin schon wusste: Schröder wirkt souverän, sympathisch und ist vor der Kamera schwer zu schlagen. Merkel, die sich mit Hilfe eines Medienexperten auf das Rededuell vorbereitet hatte, hatte dagegen einen schweren Stand - aber sie leistete sich keinen Patzer. Anders als bei großen Medienauftritten in der Vergangenheit wirkte sie bis zum Schluss souverän und sicher. Wer auf einen Versprecher gewartet hatte, sah sich getäuscht. Sie werde das Medium Fernsehen nutzen, um ihre Argumente und Vorstellungen darzulegen, hatte Merkel vor dem Duell gesagt. Das tat sie - mit einem Selbstbewusstsein, das wohl nicht jeder erwartet hatte."

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