Schröder verteidigt seine Reformen
Der Kanzler greift auf sein Repertoire zurück

Beim SPD-Wahlkampfauftakt in Hannover wirkt nicht nur der Ort bekannt.

HANNOVER. "Wir sind wieder da!", steht in dem Schaukasten neben der roten SPD-Fahne auf dem Hannoveraner Opernplatz. Ein Plakat kündigt die "Wiederaufnahme" für die zweite Septemberhälfte an. Doch der Aushang stammt nicht von den Sozialdemokraten: Das Staatstheater wirbt für Händels barockes Musikdrama "Alcina".

Die Oper macht an diesem Samstag noch Theaterferien. Aber unmittelbar neben dem klassizistischen Musentempel hat die SPD ihre Bühne aufgebaut. Rund 10 000 Zuschauer wollen trotz grauer Regenwolken den offiziellen Wahlkampfauftakt verfolgen. Sie erleben ein konventionelles Programm: Nach dem dröhnenden Rap der Band "Jazzkantine" und ein paar belanglosen Interviews folgt ein Videospot, der Deutschland als Paradies zeigt: Der Export boomt, die Steuern sinken, die Inflation ist abgeschafft. Das halbe Bundeskabinett hat sich derweil vor umbrafarbener Kulisse aufgebaut. Umbra ist die Wahlkampffarbe der SPD und soll Frische assoziieren. In Hannover wirkt das Bühnenbild wie eine vergilbte Wohnzimmertapete.

Die karge Inszenierung lenkt die Aufmerksamkeit ganz auf die beiden Hauptdarsteller. Händeschüttelnd und lachend sind Kanzler Gerhard Schröder und Parteichef Franz Müntefering durch das applaudierende Publikum heraufgezogen. Der Kanzler wird in seiner Rede den anwesenden Innenminister Otto Schily loben und Familienministerin Renate Schmidt danken. Die traurigen Statisten Hans Eichel und Manfred Stolpe erwähnt er nicht. Schröder und Müntefering haben ihre Rollen aufgeteilt: Der Kanzler gibt sich als Staatsmann, Müntefering wärmt mit linken Evergreens ("Geld darf nicht die Welt regieren!") und volksnahen Episoden die sozialdemokratische Seele.

Eine halbe Stunde lang redet der Kanzler ohne Manuskript oder Notizen vom Pult. Er beginnt mit den "Geschmacklosigkeiten und Diffamierungen", die CSU-Chef Edmund Stoiber den Ostdeutschen angetan habe. Dann streift er ein einziges Mal seine Gegenkandidatin Angela Merkel: Deren "Führungsschwäche" sei ebenso wenig wie Stoibers "Kraftmeierei" geeignet, "dieses Land zusammenzuhalten".

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