Schwacher Dollar
Drohender Sturzflug

Aus der gemäßigten und kontrollierten Abwertung des Dollars droht ein Verfall zu werden. Der würde die Industrienationen außerhalb des Dollar-Raums in die Rezession treiben. An diesem Szenario kann niemand ein Interesse haben.

Aus der gemäßigten und kontrollierten Abwertung des Dollars droht ein Verfall zu werden. Der würde die Industrienationen außerhalb des Dollar-Raums in die Rezession treiben, weil sich die Unternehmen auf die veränderte Lage nicht einstellen und deshalb ihre Produkte nicht mehr absetzen können. An diesem Szenario kann niemand ein Interesse haben.

Es ist unstrittig, dass eine sanfte Dollarabwertung die massiven Probleme der Vereinigten Staaten lindern kann: Die dadurch importierte Inflation erleichtert den Abbau der privaten und öffentlichen Verschuldung, und das Leistungsbilanzdefizit sinkt, wenn die USA mehr Waren exportieren, weil sie preislich wettbewerbsfähiger werden.

Nun droht aber der Umschlag von kontrollierter Abwertung zu unkontrolliertem Absturz, weil sich viele Faktoren überlagern: Im September brach der Absatz amerikanischer Wertpapiere um 90 Prozent ein. Privatinvestoren zogen Kapital aus den USA ab. Üblicherweise gleicht das Japans Notenbank aus, indem sie Yen druckt, dafür US-Staatsanleihen kauft, so den Dollar gegenüber dem Yen stützt und dadurch das US-Defizit im Außenhandel finanziert. Sollten die Asiaten diese Interventionen beenden, droht Gefahr.

Hinzu kommen Sorgen über eine protektionistische Handelspolitik, zu der die Regierung Bush mit Blick auf die Präsidentschaftswahl greifen könnte, um heimische Firmen zu schützen. Auch die Verhaftung Dutzender Devisenhändler in New York, die das Vertrauen in Amerikas Finanzwelt schon wieder erschüttert, leistet der beschleunigten Dollarabwertung Vorschub.

Sie wird angeheizt, wenn Devisenspekulanten durch Verkäufe geliehener Dollar, die sie später billiger zurückkaufen, das Karussell erst richtig in Schwung bringen. Sobald private Investoren erkennen, dass kaum jemand an einem starken Dollar interessiert ist, schlagen sie daraus Kapital.

Allein die Notenbanken wären in der Lage, den Trend zu stoppen, wenn sie zusammenwirken. Das zeigten Interventionen vor zwei Jahren, als Japan, die USA und Euro-Land den Euro-Verfall aufhielten. Solange die US-Regierung den Sturzflug des Dollars aber achselzuckend hinnimmt, wird sich der Verfall fortsetzen.

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