Schwarz-rotes Personalkarussel
Schäuble könnte Fischer beerben

Nach der Wahl ist alles anders: Was die Parteizentralen zuvor noch als "Katastrophe" oder "Ungeheuer" verteufelt haben, gilt nun als wahrscheinlichste Regierungskombination. Bleibt die Frage nach dem Personal für Schwarz-Rot. Handelsblatt.com hat mit Politologen durchgespielt, wer am Kabinettstisch Platz nehmen dürfte.

DÜSSELDORF. In einem Bündnis der beiden großen Volksparteien könnte die Union den Reformantreiber geben, die SPD könnte sich als Bewahrer des Sozialstaats profilieren. Auch bei der geplanten Föderalismusreform gibt es Schnittpunkte zwischen den Parteien. Das Projekt, die Zuständigkeiten von Bund und Ländern zu entflechten, könnte eine große Koalition zu Ende führen.

Die Kommissionsvorsitzenden Franz Müntefering (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) waren sich kurz vor dem Scheitern im Dezember 2004 eigentlich einig. Groß scheinen dagegen die Gegensätze bei der Gesundheitspolitik zu sein. Die SPD warb im Wahlkampf für ihr Konzept einer Bürgerversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen. Die Union will dagegen durch eine einheitliche Gesundheitsprämie für alle die Gesundheitskosten von den Arbeitskosten abkoppeln.

Mit dem Näherrücken einer schwarz-roten Koalition wird jedoch nicht nur der Ruf nach Inhalten, sondern auch nach ersten Personalvorschlägen lauter. Was sich beide Parteien bis zur Nachwahl in Dresden verbieten (Müntefering: "Alles Gedrängele und Rumspekuliere hilft zurzeit der Sache nicht."), haben die Politikwissenschaftler und Parteienexperten Wichard Woyke (Universität Münster) und Gerd Langguth (Universität Bonn) schon einmal analysiert. Ihre Vermutungen: Für Gerhard Schröder wird es eng, wobei andere Unions- und SPD-Politikern ein unerwartetes Comeback erleben könnten. Bei der zukünftigen Rolle Angela Merkels gehen die Meinungen der Politologen jedoch auseinander.

Bundeskanzler/-in: Gerd Langguth rechnet mit einer Kanzlerin Angela Merkel in einer großen Koalition. Auch die SPD würde kalkulieren, dass ein alternativer Unionskanzler wie Christian Wulff in der Bevölkerung beliebter sei und einem Sieg der Sozialdemokraten bei der nächsten Bundestagswahl entgegen stünde, meint Langguth. Wichard Woyke dagegen prognostiziert das Aus für beide, Schröder und Merkel: "Union und SPD sind darauf angewiesen miteinander zu verhandeln. Bauen die Spitzenkandidaten weiter unüberwindbare Hürden auf, wird man sich letztlich von beiden trennen."

Bildergalerie: Ministerkandidaten bei Schwarz-Rot

Außenminister: Gute Chancen auf das Amt des Vizekanzlers sieht Woyke für Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble (CDU). Schäubles Engagement für außenpolitische Themen sei schon immer stark gewesen. Insbesondere die Europapolitik habe er Mitte der 90er Jahre mitgeprägt, so Woyke. Für Langguth könnte stattdessen Edmund Stoiber das Rennen machen, sollte er sich für einen Umzug nach Berlin entscheiden: "Das wäre sein Lieblingsjob." Allerdings dürfte auch die SPD einen Anspruch auf diesen Posten anmelden. Dann könnte nach Langguth Günther Verheugen ins Gespräch gebracht werden.

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