Schweizer Banken
Woche der Wahrheit

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Die Woche hat's in sich. Heute Credit Suisse, übermorgen UBS – mit dem Bericht über ihre Jahresergebnisse hat für die Finanzindustrie in der Schweiz die Woche der Wahrheit begonnen. Und es gehört keine prophetische Gabe dazu, um vorauszusagen, dass nicht nur die Schweiz als Finanzplatz nach dieser Woche und vor allem nach der Finanzkrise, die jetzt noch einmal in all ihren Facetten beschrieben werden muss, anders aussehen wird.

Es wird Verlierer geben - und ein paar Gewinner. Verloren haben ein paar Banken, unter ihnen in Europa zuvorderst die UBS, und zwar nicht nur Geld, sondern vor allem Ansehen und Vertrauen. Dass einige Banker vor Gier nicht das Risiko gesehen haben, provoziert die Frage der Kunden und Aktionäre, ob das eigene Geld nicht möglicherweise anderswo besser aufgehoben ist als ausgerechnet bei denen. Dass in dieser Situation die Gehälter der Banker, die stets als erfolgsabhängig bezeichnet wurden, nicht sinken, mag intern nachvollziehbar sein. Von außen betrachtet ist es schlicht eine Frechheit. Dass die Bankenaufsicht die Risiken nicht gesehen hat, spricht ebenfalls nicht gerade für den jeweiligen Finanzplatz. Hier klaffen Lücken.

Auf der Gewinnerseite werden zum Beispiel all die kleineren Vermögensverwalter stehen, die die lebenslange Betreuung ihrer Kunden wichtiger nehmen als die kurzfristige Rendite. Zu den Siegern zählen dann auch jene Staatsfonds aus dem nahen und fernen Osten, die die Gelegenheit nutzen, um ausgerechnet bei jener Konkurrenz, die sie schon immer wurmte, nun einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Gewonnen hat in Deutschland auch fürs erste die Deutsche Bank und in der Schweiz die Credit Suisse. Die Schweizer Großbank hat nach dem deutschen Spitzeninstitut Ergebnisse vorgelegt, die zeigen, dass sich auch in der Krise Geld verdienen lässt: Nicht so viel, aber immerhin genug, um zu beweisen, dass das Geschäftsmodell sturmfest ist, wenn die Gier nicht überhand nimmt.

Aber noch etwas belegt das Ergebnis dieser Großbanken und das gehört für die Verlierer zum besonders bitteren Teil der Wahrheit: Die Finanzkrise ergießt sich nicht wie weiland die Sintflut aus dem Himmel über die Erde, sondern sie ist hausgemacht. Die Branche hat sie selbst zu verwantworten, und es hat Wege gegeben, ihr weitgehend zu entkommen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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