Sechs Fragen an: Dieter Kempf
„Die Situation verschlimmert sich jedes Jahr“

Die IT-Branche entdeckt das Thema Energieeffizienz, immer mehr Firmen setzen auf grüne Informationstechnologie. Im Gespäch mit dem Handelsblatt äußert sich Dieter Kempf, Chef des IT-Dienstleisters Datev, zur Rolle der diesjährigen Cebit sowie den Möglichkeiten, den Energieverbrauch von Computern nachhaltig zu senken.

Handelsblatt: Herr Kempf, die IT-Branche hat das Stromsparen als neues Verkaufsargument entdeckt. Doch wie wichtig ist das Thema wirklich für ein Unternehmen wie die Datev, das große Rechenzentren betreibt?

Dieter Kempf: Die Situation ist ernst und verschlimmert sich jedes Jahr, denn die Strompreise laufen davon. Das spüren wir deutlich. Dazu kommt, dass wir immer mehr Netzwerkrechner einsetzen, sogenannte Server. Das liegt daran, dass wir laufend neue Aufgaben für unsere Kunden von unseren Rechenzentren aus übernehmen. Auch dadurch verbrauchen wir mehr Energie.

Die sogenannte grüne Informationstechnologie ist also mehr als eine Modeerscheinung?

Ganz sicher wird uns das Thema noch über viele Jahre begleiten. Allerdings kümmert sich die Branche ja nicht erst jetzt um die Umwelt. Über das Recycling von Computern macht sich die Industrie zum Beispiel schon lange Gedanken. Hier gibt es bereits strikte Regeln. Auch die Hersteller der Schaltschränke, in denen die Netzwerkrechner stehen, überlegen schon intensiv, was sie mit der Hitze, die die Rechner abgeben, anfangen können.

Also nichts Neues auf der Cebit?

Doch, denn jetzt kommen neue Aspekte dazu - es steht zum Beispiel der Energieverbrauch der Computer im Vordergrund.

Stichwort Abwärme: Wie lässt sich die enorme Hitze der Server sinnvoll nutzen?

Wir haben auf dem Dach eines unserer Rechenzentren in Nürnberg ein kleines Blockheizkraftwerk gebaut. Das läuft jetzt seit über einem Jahr und wir sind sehr zufrieden. Für das Kleinkraftwerk nutzen wir die Wärme, die die Server abgeben und erzeugen daraus Energie für die Heizung oder Energie, um die Geräte zu kühlen. Wenn der Versuch erfolgreich ist, dann werden wir uns überlegen, ob wir weitere solche Blockheizkraftwerke installieren.

Die Datev betreibt nicht nur Rechenzentren, sie beraten auch ihre Kunden, meist mittelständische Steuerberater, in Sachen IT. Sind die Unternehmer bereit, in stromsparende Geräte zu investieren?

In den meisten Kanzleien schlägt der Papierverbrauch stärker zu Buche als die Stromkosten. Dort sind es die vielen Ausdrucke, die teuer sind. Aber auch das ändert sich zusehends durch den verstärkten Einsatz der Informationstechnologie. Zudem gibt es auch hier effizientere Lösungen, etwa zentrale Drucker anstelle von einzelnen Geräten an jedem Arbeitsplatz.

Haben sie in den Datev-Büros schon angefangen, stromsparende Rechner einzusetzen?

Die Energieeffizienz ist eines der Kriterien beim Kauf neuer Computer. Dabei beachten wir stets neben dem Nutzen die Kosten. Das muss in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Wir nutzen alle Möglichkeiten, um Strom zu sparen, zum Beispiel auch automatische Stand-by-Funktionen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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