Seine Gegner bringen sich in Stellung
Stoiberdämmerung in München

Katerstimmung bei der CSU: Unter 50 Prozent in Bayern sorgen dafür, dass Stoibers Autorität als Parteichef wackelt. Nur zwei CSU-Kandidaten haben hinzugewonnen: Hans Michelbach in Coburg - und Horst Seehofer in Ingolstadt. Abseits der Kameras werden bereits die Fehler Stoibers aufgelistet.

MÜNCHEN. Eigentlich soll es eine Party werden in den bunkerartigen Räumen des Kreisverwaltungsreferats München. Hier laufen am Sonntag die Daten der Wahlergebnisse aus der Isarmetropole zusammen, hier postieren die Parteien telegenes Jungvolk, um den Journalisten eine gefällige Interpretation der Zahlen zu liefern.

Doch wieder ist es wie 2002: Bei den CSUlern herrschte eine Stimmung, als ob beim Oktoberfest das Bier ausgegangen wäre. Immer fester klammern sie sich fassungslos an die billigen Resopaltische. Als bekannt wird, dass sie um die magische 50-Prozent-Hürde zittern müssen, ja sie sogar um 0,7 Prozentpunkte unterschritten wird, sieht mancher Jungpolitiker im Trachtenanzug so lebendig aus wie der Edelweißpflücker nach dem Sturz vom Wilden Kaiser.

Am Morgen danach spricht ein CSU-Präsidiumsmitglied von "Katerstimmung", bevor es aufbricht zur Wahlnachlese. Die Köpfe hängen tief in München. Sehr tief. Edmund Stoiber will abfedern, wehrt auf dem Weg ins Franz-Josef-Strauß-Haus lästige Journalistenfragen damit ab, dass sich Ergebnisse wie die 56,8 Prozent von 2002 "nicht dauernd wiederholen" lassen. Doch was die Partei schockiert, ist die Gleichmäßigkeit der Verluste. Im Wahlkreis Straubing minus 6,6 Prozentpunkte, Schwandorf minus 8,8, in Weiden gar minus 10,8 - je weiter ländlich, desto schlimmer die Verluste, insgesamt 9,7 Prozentpunkte weniger als 2002 sind es. Die CSU ist nicht mehr drittstärkste, sondern schwächste Partei im Bundestag.

Ein schwacher Trost ist es, dass zwei SPD-Granden angeschossen wurden: Familienministerin Renate Schmidt steckte in Erlangen eine herbe Niederlage gegen den 30 Jahre alten CSU-Politiker Stefan Müller ein. Und Innenminister Otto Schily verlor das Duell um den Wahlkreis München-Land erneut. Sieger: der 37 Jahre alte CSU-Abgeordnete Georg Fahrenschon.

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