Selbstmordanschlag
Kommentar: Menschen aus unserer Mitte

Die Taliban haben gezielte Anschläge auf deutsche Soldaten in Afghanistan verübt. Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr muss unter veränderter Sichtweise neu diskutiert werden.
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Leider ist jetzt das passiert, was die Terroristen angedroht haben und vor dem die Kritiker der Bundeswehreinsätze gewarnt haben. Die Taliban haben gezielte Anschläge auf deutsche Soldaten in Afghanistan verübt und dabei mehrere deutsche Soldaten getötet und einige schwer verletzt. Für die Terroristen ist Deutschland Kriegsgegner und diesen Gegner gilt es zu treffen, egal wo, wie und mit welchen Mitteln.

Diesen Umstand müssen wir schmerzlich zur Kenntnis nehmen und wir dürfen deshalb in der Diskussion nicht weiter so tun, als könne man das Risiko für deutsche Soldaten einfach wegdiskutieren, in dem man Afghanistan in gefährliche und weniger gefährliche Landesteile gliedert. Außerdem ist es fatal zu glauben, man könnte in einem Land eine Friedensmission mit Soldaten und einen bewaffneten Kampf gegen den Terror parallel und getrennt voneinander laufen lassen und beide zum Erfolg führen.

Wer jetzt wie Merkel und Jung mit Bestürzung und Betroffenheit von perfiden Morden und feigen Anschlägen spricht, handelt aus Mitgefühl für die Angehörigen richtig. Dennoch hört es sich auch so an, als sei mit diesen Anschlägen nicht zu rechnen gewesen. Das Gegenteil ist aber der Fall und es muss endlich einmal ausgesprochen werden, dass wir mit diesen Opfern rechnen mussten, auch wenn sich das zunächst zynisch anhört.

Denn ob wir im Krieg sind oder nicht, das können wir uns nicht aussuchen, wenn wir Soldaten dorthin entsenden, wo sie nicht von allen Gruppen willkommen sind. Ebenso wenig lassen sich die Folgen eines Einsatzes auf das Einsatzland oder auf die Streitkräfte begrenzen, auch darüber muss gesprochen werden. Mit welchen Konsequenzen für eine Gesellschaft insgesamt man schlimmstenfalls rechnen muss, zeigt das Beispiel USA wo die Zahl der Angehörigen von Kriegsopfern mittlerweile in die Zigtausende geht.

Das sollte die Politik der Bevölkerung endlich einmal klar sagen, um auf dieser Basis die Diskussion über eine Beteiligung an Kampfeinsätzen neu zu führen. Bündnistreue, außenpolitische Handlungsfähigkeit und Bedrohung durch den Terror sind eben nur ein Teil der Argumente in dieser Debatte.

Da die öffentliche Diskussion schon an diesem Wochenende mit voller Heftigkeit losbrechen wird, wäre es gut, wenn sich die Wortführer auf Seiten der Befürworter diese menschliche Seite eines Militäreinsatzes klar vor Augen führen würden. Die Bundeswehr ist Teil unserer Gesellschaft und Soldaten sind Menschen aus unserer Mitte. Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr muss unter veränderter Sichtweise neu diskutiert werden.

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